Man nehme … – Historische Kochbücher in der UB Erfurt

Als Einstimmung zum Thema ein altes Rezept für Fleischklöpschen:

“Knoepflein von fleisch.
Hacks welcherley das ist / gar klein mit peterlein / machs ab mit saltz/wuertz/ vnd ein wenig specklein/schlag zwey rohe eyr darein / mach kuegelgen draus/sends ynn huener/ odder ynn ihr eignen brue/gilb sie wol und richts an / …“

Dieses Rezept findet man in einem Sammelband, in welchem auch das Büchlein „Von allen Speisen vñ Gerichtẽn. Wie man sie allerhandt art kuenstlich vnd wol kochen /einmachen vnd bereitten soll.“(13-A. 8°841 (8)) enthalten ist. Im Jahr 1535 erschien dieser Ratgeber in Zwickau und ist die Übersetzung eines vermutlich von Bartholomaeus Platina, einem italienischen Humanisten und Bibliothekar, verfassten Kochbuchs aus dem Jahr 1474.
Das Original war ein „Verkaufsschlager“ und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Mengenangaben, wie wir sie in heutigen Kochbüchern erwarten, fehlen völlig und die Zubereitung erscheint zuweilen sehr eigenwillig.
Wesentlich ausführlicher und mit ungefähren Mengenangaben empfiehlt Nicolas de Bonnefons in seinen Werken „Der Frantzösische Confitirer : Welcher handelt: Von der Manier/ die Früchte in ihrer natürlichen Art zu erhalten“ (1665), „Der Frantzösische Becker“ und „Der Frantzösische Koch“ (5-O. 8° 507 (4)) (1677) Möglichkeiten zum Zubereiten und Haltbarmachen von Obst und Gemüse (Dörren, Obstweine, Essig, Senf, Konfitüre). Natürlich dürfen Braten, Brühen und Sülzen nicht fehlen!

De Bonnefons war Kammerdiener am Hofe von König Ludwig XIV. und schrieb mit einem Buch zum Anbau von Obst sowie den o.g. Kochbüchern begehrte Ratgeber, die von Georg Greflinger vorzüglich übersetzt worden sind. Besonderen Wert legte er auf die Maßhaltung bei der Benutzung von Gewürzen (im Gegensatz zur üppigen Verwendung auch noch im Spätmittelalter) und die Beibehaltung der Natürlichkeit der Zutaten.
Nach Kochbüchern aus dem 16. und 17. Jahrhundert nun ein Sprung ins 18 Jahrhundert mit dem Ratgeber „Der wohl-unterwiesenen Köchinn Zufällige Confect-Taffel: Bestehend In Zubereitung allerhand mit Zucker eingemachten Früchten/ Säfften/ Weinen/ Aquaviten/ Brandteweinen/ Bieren/ Eßigen …“(8-O 8° 3407) aus dem Jahr 1706.
Im Gegensatz zu den beiden anderen Kochbüchern schrieb hier kein gelehrter Mann, sondern eine wohl gebildete Hausfrau mit praktischem Wissen. Schon ihr Erstlingswerk „Die wol unterwiesene Köchinn.“ von 1692 fand ein wissbegieriges Publikum, wobei Schellhamer sich mit den Rezepten an ein gut situiertes Bürgertum wandte. Nicht nur Rezepte für Alltag und Festlichkeiten, sondern auch solche für Kranke und Rekonvaleszenten sind zu finden.


Auch in einer Handschrift (CE o.S. 8° 51), die digitalisiert wurde und deren Rezepttitel derzeit für eine ausführlichere Strukturierung transkribiert werden, finden sich interessante Back- und Kochrezepte. Der „Begründer“ dieses Kochbuchs ist nicht weiter bekannt (Johann Georg ??), genau so wie das Entstehungsjahr (vermutlich 18. Jh.). Die Rezepte stammen von verschiedenen namentlich nicht genannten Schreibern und sind in Deutsch und Französisch. Wahrscheinlich ist die Weitergabe in der Familie.

Stöbern Sie gern in den Digitalisaten der hier vorgestellten Bände:
1. Von allen Speisen vñ Gerichtẽn. : Wie man sie allerhandt art, künstlich vnd wol, kochen, einmachen vnd bereitten sol: https://www.digitale-sammlungen.de/de/details/bsb10313119
2. Der Frantzösische Confitirer : Welcher handelt: Von der Manier/ die Früchte in ihrer natürlichen Art zu erhalten: https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11109983?page=54%2C55
3. Der wohl-unterwiesenen Köchinn Zufällige Confect-Taffel : leider kein Digitalisat dieser Ausgabe vorhanden
4. Kochbuch von Johann Georg ??: https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00050731

Andrea Langner

 

Spiel und Spielen – die Spielmittel der Jenaer Gestalterin Dr. Fridlind Siebrecht

Die Fröbel-Forschungsstelle der Universität Erfurt veranstaltet in Kooperation mit der International Froebel Society und dem Lehrstuhl „Inklusive Unterrichtsforschung mit dem Schwerpunkt Lernen“ der Universität Erfurt  die Ausstellung „Fröbel – Wirkung – Spielgaben. Die Spielmittel der Gestalterin Dr. Fridlind Siebrecht“. Die Universitätsbibliothek Erfurt zeigt die Ausstellung vom 19. Oktober bis zum 23. Dezember 2026 während der Öffnungszeiten der Bibliothek auf der großen Freifläche im Erdgeschoss, unmittelbar in der Eingangszone des Lesesaals.

Die Ausstellungseröffnung findet am Montag, dem 19. Oktober, um 16:00 Uhr im Vortragsraum der UB Erfurt statt. Die Spielmittelgestalterin Dr. Fridlind Siebrecht und das Ausstellungsteam, das von Prof. Dr. Andrea Schmid angeleitet worden ist, werden zur feierlichen Eröffnung anwesend sein. Die Laudatio hält der Bauhaus-Forscher Michael Siebenbrodt.

Sternklappspiel. Durchmesser: 48 cm. Gestalterin: Dr. Fridlind Siebrecht. Herstellung: FRIDLIN Holzspielzeug, Döschnitz.

 

Fridlind Siebrecht wurde 1941 in Bad Muskau, Sachsen, geboren. Sie wuchs in Jena, Thüringen, auf. Von 1960 bis 1964 studierte sie die Fächer Kunst und Deutsch am Pädagogischen Institut Erfurt, welches die Vorgängereinrichtung zur Pädagogischen Hochschule Erfurt gewesen ist. Von 1966 bis 1971 studierte sie Spielmittelgestaltung an der Burg Giebichenstein, Halle (Saale). Sie lehrte und forschte an der Burg Giebichenstein, Halle (Saale), und arbeitete als Spielmitteldesignerin im VEB Kösener Spielzeug, Bad Kösen. 1981 verteidigte sie ihre Doktorarbeit an der Pädagogischen Hochschule Erfurt. 1995 begann ihre Zusammenarbeit mit der Firma FRIDLIN Holzspielzeug, Döschnitz. Die fruchtbringende Verbindung zu dieser Spielzeugmanufaktur hält bis heute an.

Fridlind Siebrecht gehört zu den bedeutenden Spielmittelgestaltern Thüringens und zur Gruppe jener Thüringer Frauen, die einen besonderen Beitrag zum Spielzeugdesign geleistet haben. In der Ausstellung werden überwiegend die von ihr entwickelten Holzspielzeuge, welche die Firma FRIDLIN, Döschnitz, produziert, gezeigt. Das Besondere an den Spielgaben Siebrechts besteht darin, dass jedes Spielmittel seinen Spielern (Kindern bis zum frühen Schulalter) eine spezielle Aufgabe oder Herausforderung stellt. Ihre Spielzeuge sind rein im Spiel, pur in der Spieltätigkeit, konsequent spiel-puristisch gedacht. Für sie ist das Spielen noch immer „eine faszinierende Tätigkeit“. Ihre Spielmittel können therapeutisch verwendet werden.

Mit der Ausstellung kehrt die Pädagogin und Spielzeugdesignerin Dr. Fridlind Siebrecht zu ihren Erfurter Wurzeln zurück. Die Pädagogische Hochschule Erfurt ist 2001 in der 1994 neugegründeten Universität Erfurt aufgegangen.

Die Ausstellung bringt das umfangreiche Werk Siebrechts mit der Pädagogik Friedrich Fröbels (1782-1852) in Zusammenhang. Der Thüringer Erzieher Fröbel, dessen Pädagogik bis heute internationale Rezeption erfährt, hat auch Fridlind Siebrechts Werk inspiriert.

Begleitend zur Ausstellung sind zwei Publikationen erschienen:

  1. Schmid, Andrea Christine (Herausgeberin) u.a.: Fröbel – Wirkung – Spielgaben: die Spielmittel der Gestalterin Dr. Fridlind Siebrecht: Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, 19.10. bis 23.12.2026, in der Universitätsbibliothek Erfurt. 1. Auflage (150 Exemplare). [Erfurt]: Fröbel-Forschungsstelle der Universität Erfurt; Erfurt: In Zusammenarbeit mit Edition tausend hold + immer schön. Texte zur Kunst, 2026. 199 Seiten: Illustrationen; 22 cm. ISBN 978-3-9823735-6-0 (Edition tausend hold + immer schön)
  2. Siebrecht, Fridlind: Systematische und grundlegende Gedanken zur Spielmittelgestaltung. 1. Auflage (150 Exemplare). Erfurt: Edition tausend hold + immer schön. Texte zur Kunst, 2026. 104 Seiten: Illustrationen, Porträts; 22 cm. ISBN 978-3-9823735-7-7

 

Text: Ausstellungsteam Prof. Dr. A. Schmid

Abbildung: FRIDLIN Holzspielzeug, Döschnitz

 

Willkommen in Erfurt! Angebote zum Studienbeginn

Für den Start ins Studium haben wir verschiedene Angebote vorbereitet, um sich mit der Benutzung der Universitätsbibliothek Erfurt vertraut zu machen:

Während der Studieneinführungstage vom 5. bis 8. Oktober 2026 werden Bibliothekseinführungen durchgeführt, bei denen wir über die wichtigsten Service- und Nutzungsangebote der Bibliothek informieren und bei einem kleinen Rundgang eine erste Orientierung geben. Die Termine werden über die studentischen Tutor*innen organisiert.

Unterstützend dazu gibt es die Webseite “Informationen für Erstsemester“, auf der das Wichtigste zur Bibliothek speziell für neue Studierende zusammengestellt ist.

Wir freuen uns auf Sie und wünschen Ihnen alles Gute für Ihr Studium in Erfurt.

Odyssee oder Nach langer Irrfahrt wieder zu Hause

Ein seit dem Kriegsende 1945 als Verlust aufgeführter Druck aus dem 16. Jahrhundert ist wieder in seine “Heimatbibliothek“, die Staatsbibliothek zu Berlin, zurückgekehrt.
Mit einer Mail aus Flörsheim begann die spannende Rückführung. Eine Spende für das Sozialkaufhaus „Tisch und Teller“ enthielt diesen alten Druck, der sich in einem erstaunlich guten Zustand befand, wie Sozialarbeiter Florian Barthel und Betriebsleiterin Heike Rosa feststellen konnten. Dem Hinweis eines Historikers folgend, der den Stempel „Königl(iche) Pr(eußische) Bibliothek zu Erfurt“ im Buch entdeckte, wandte sich Florian Barthel an die Universitätsbibliothek Erfurt.Und wir konnten helfen!
Der Band mit dem Titel „IVLII PAVLI PATAVINI SENTENTIARVM RECEPTARVM AD FILIVM…“ stammt aus der Feder des Juristen Julius Paulus (2. oder 3 Jh.) und wurde von Konrad Rittershausen im Jahr 1594 herausgegeben. Der Stempel der Königlichen Bibliothek befindet sich in vielen Drucken unseres Altbestands, welcher als Depositum der Stadtbibliothek von der Sondersammlung der UB Erfurt betreut wird. Hinzu kamen noch neben anderen vermutlichen Autogrammen der Namenszug von Robert Königsmann und ein Exlibris von Philipp Wilhelm zu Boineburg.


Johann Christian von Boineburg, ein kurmainzischer Staatsmann, Diplomat, Gelehrter und Büchersammler hatte nach dem Tod des Straßburger Professors Königsmann dessen Bibliothek aufgekauft und sie als Bestandteil seiner äußerst umfangreichen Sammlung an seinen Sohn Philipp Wilhelm von Boineburg vererbt. Dieser wiederum schenkte sie 1716 der Erfurter Universität.
Nach Auflösung der Universität Erfurt im Jahr 1816 wurde die Bibliothek in die Königlich Preußische Bibliothek Erfurt überführt und eine Vielzahl von Handschriften und Drucken fast 100 Jahre später, nämlich 1908/09, der Königlichen Bibliothek in Berlin übergeben.
Die bekannten Stempel, Namenszug und Exlibris führten in der UB Erfurt zur weiteren Recherche und ein Katalogeintrag im Katalog der Staatsbibliothek Berlin bestätigte unsere Vermutung: dieser Druck wird als Kriegsverlust aufgeführt.
Seit 1918 als Preußische Staatsbibliothek agierend, lagerte die Bibliothek in Berlin während des 2. Weltkriegs Bestände aus und der wiedergefundene Band wurde mit vielen anderen Bänden der Signaturengruppe G in einem Kalisalz-Bergwerk im Landkreis Göttingen aufbewahrt, wo er in den Wirren des Krieges und der Nachkriegsjahre „verschwand“.
Umso mehr freuen wir uns über das Wiederauftauchen und sind dankbar für die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter der Sozialkaufhauses in Flörsheim.

Andrea Langner

Die Fotos wurden uns von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz zur Verfügung gestellt, Fotografin ist Friederike Willasch/SBB PK.

Berichte in
https://www.tisch-teller.de/
https://www.stern.de/gesellschaft/regional/berlin-brandenburg/band-galt-als-kriegsverlust–waehrend-krieg-verlorenes-buch-in-sozialkaufhaus-entdeckt-38209338.html
https://www.zeit.de/news/2026-09/04/waehrend-krieg-verlorenes-buch-in-sozialkaufhaus-entdeckt
https://archivalia.hypotheses.org/267177
https://www.deutschlandfunkkultur.de/verschollener-druck-von-1594-kehrt-in-staatsbibliothek-berlin-zurueck-100.html

thoska für alle

Wer sich ab September 2026 für die Nutzung der Universitätsbibliothek Erfurt und der Forschungsbibliothek Gotha neu anmeldet und keine gültige thoska als Mitglied der Universität Erfurt oder einer anderen Thüringer Hochschule besitzt, erhält künftig eine thoska-Bibliothekskarte.

Dieser neue Bibliotheksausweis hat neben den üblichen Funktionen zum Ausleihen, Verlängern, Bestellen und Verwalten des eigenen Bibliothekskontos auch eine integrierte elektronische Geldbörse zum bargeldlosen Zahlen. Die thoska kann als Kopierkarte zum Kopieren und Drucken sowie in der Mensa (Gästepreis) eingesetzt werden. Das Bezahlen von Bibliotheksgebühren ist ebenfalls möglich. Die Geldbörse der thoska kann an entsprechenden Automaten, z.B. in der Bibliothek, mit EC-, debit- oder Kreditkarte aufgewertet werden.

Die thoska-Bibliothekskarte kostet einmalig 10 Euro.

Ein bereits vorhandener Bibliotheksausweis (keine thoska) behält bis zum Ende der jeweiligen Nutzungsberechtigung seine Gültigkeit. Die Dauer ist im Bibliothekskonto zu sehen, eine automatische Erinnerungs-Mail wird rechtzeitig versandt. Wird der Bibliotheksausweis weiter benötigt, muss er in eine thoska-Bibliothekskarte umgetauscht werden, um alle Funktionen nutzen zu können.

Sie haben Fragen? Weitere Informationen und Antworten

Schließwoche vom 07. bis 13. September in der UB Erfurt

Vom 07. bis 13. September 2026 bleibt die Bibliothek wegen umfangreicher Bau- und Wartungsarbeiten geschlossen.

In dieser Zeit sind wir für Sie per E-Mail erreichbar:

ausleihe.ub@uni-erfurt.de  | information.ub@uni-erfurt.de

Einige Hinweise zu unseren Dienstleistungen:

  • In der Schließwoche getätigte Bestellungen aus den Magazinen stehen für die Abholung bereit, wenn die Bibliothek wieder geöffnet hat.
  • Es gibt keine Mahnungen wegen Überschreitung der Leihfrist.
  • Es kann zu Verzögerungen bei der Erledigung von Scanaufträgen kommen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch vor und nach der Schließwoche – oder rund um die Uhr digital im Netz.