Wortschatz Bibliothek. Heute: Inkunabel, die; -n

Unter Inkunabeln versteht man im Buch- und Bibliothekswesen die frühesten Drucke nach Erfindung des Buchdrucks (ca. 1453) bis einschließlich 1500. „Inkunabula“ bedeutet übersetzt aus dem Lateinischen „Wiege, Windel, Geburtsort“, benutzt wird auch der Begriff „Wiegendrucke“ für diese frühen Erzeugnisse des Buchdrucks.
Typisch für Inkunabeln ist die noch starke Anlehnung an die bis dahin übliche Gestaltung von Handschriften: es gibt kein Titelblatt bzw. es bildet sich langsam heraus; im Incipit werden die ersten Worte oder Sätze eines Werks genannt (oft hervorgehoben im Text); Auskünfte zum Erscheinungsort, Drucker oder dem Druckdatum befinden sich im Kolophon, einem Vermerk am Ende des Drucks, welches die eindeutige Identifikation des Werks ermöglicht; manchmal werden Initialen farbig per Hand nachgetragen und im Text selbst gibt es häufig Abkürzungen, wie sie in Handschriften gebräuchlich waren.
Die Auflagenhöhe lag durchschnittlich bei 400 bis 500 Exemplaren, bei einzelnen „populären“ Titeln konnten es durchaus bis zu 1000 Stück sein.

Die wohl bekannteste Inkunabel ist die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, welche zwischen 1452 und 1454 gedruckt wurde. Bekannt als „Gutenberg-B42“ enthält sie das Alte und das Neue Testament, der Text ist zweispaltig mit 42 Zeilen gesetzt worden. Die Auflage betrug etwa 180 Exemplare, davon ca. 30 Stück auf Pergament gedruckt. Sie wurde in der Druckerei des Johannes Gutenberg mit Hilfe seines Mitarbeiters Peter Schöffer (und ca. 20 anderen in der Offizin angestellten Druckern) hergestellt, unterstützt durch finanzielle Zuwendungen von Johannes Fust.

Eine ebenfalls sehr ansehnliche Inkunabel ist die Schedelsche Weltchronik von 1493 (Zusammensteller Hartmann Schedel), deren deutschsprachige Ausgabe von 1493 sich auch im Bestand der Universitätsbibliothek befindet.(UB Erfurt, Dep. Erf., I. 2° 232). Ausgestattet ist sie mit zahlreichen Holzschnitten der Künstler Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff.
Geschildert wurde die Schöpfungsgeschichte bis zum Zeitpunkt der Entstehung der Chronik. Neben historischen Begebenheiten sind biblische und mythologische Erzählungen, Naturkatastrophen wie Erdbeben, Fluten usw., kurze Porträts bedeutender Personen und zahlreiche Städteansichten zu finden.
Gezeigt wird eine doppelseitige Darstellung der Stadtansicht von Erfurt:

Eine nachträglich kolorierte Abbildung der Schöpfungsgeschichte finden wir in der Inkunabel UB Erfurt, Dep. Erf., I. 4° 336 (01): Die Bibel zu teutsch getrukt .., Teil 1.

Insgesamt befinden sich etwa 650 Bände mit Inkunabeln im Bestand der UB Erfurt, welche aus zahlreichen Provenienzen – aus dem Collegium Amplonianum, aus der alten Universitätsbibliothek, den ehemaligen klösterlichen Bibliotheken und der Boineburgschen Bibliothek stammen.

Andrea Langner

Discovery jetzt auch als App

Discovery, das Suchportal der Universität Erfurt für wissenschaftliche Literatur, gibt es ab sofort auch als App.

Die App ist kostenlos zum Download in den gängigen App Stores von Google (Android) und Apple (iOS) erhältlich. Alle Inhalte und Funktionen der Browser-Version sind auch in der App vorhanden, dazu gehören:

  • Recherchieren im Bestand der Universitätsbibliothek Erfurt und der Forschungsbibliothek Gotha
  • elektronische Ressourcen finden und nutzen
  • den Standort und die Verfügbarkeit gefundener Literatur einsehen, bestellen und vormerken
  • Exportieren, Drucken und Speichern von Treffern, Feedback an die Bibliothek geben
  • das Bibliothekskonto einsehen und verwalten, die Leihfrist verlängern
  • Anmeldedaten, Suchverlauf und Favoriten auf dem Gerät speichern

Als Mehrwert für die App kommen moderne Nutzungs- und Navigationsmöglichkeiten hinzu, wie z.B. die Suche per Spracheingabe oder das klassische Swipen zwischen einzelnen Treffern.

Holen Sie sich die App am besten doch gleich heute auf Ihr Handy und probieren Sie es aus!

Direkt zur App:

Bücher und Pflanzen lesen – Literatur zum Schulgarten

Neben dem Bücherparadies – unsere Bibliothek, die wir hegen und pflegen – befindet sich der idyllische Campusschulgarten, aus dem seit einiger Zeit die Osterglocken und Tulpen farbenfroh leuchten. Dieser dient als Lernort, da Schulgarten als Studienfach im Bereich der Lehramtsausbildung an der Universität Erfurt belegt werden kann.

Kinder nehmen durch eigene gärtnerische Tätigkeit die Pflanzen- und Tierwelt besser wahr, Experimente vermitteln praxisnah und spannend Zusammenhänge in der Natur. Und was gibt es Schöneres, als gemeinsam angebautes Obst und Gemüse zu ernten.

Studierende erwerben unter anderem Kenntnisse und Fähigkeiten in der Gestaltung von Schulgärten, der Kultivierung von Gemüse und Zierpflanzen sowie in der Planung und Umsetzung von Projekten. Bücher und Zeitschriften in unserem Bestand bieten hierfür hilfreiche Lektüre.

Das Praxisbuch Gartenagogik wendet sich vorrangig an Fachpersonen in der Erwachsenenbildung und vermittelt, wie Menschen mit Beeinträchtigung im Garten begleitet werden können.

Einen Beitrag zu unserem Erfurter Schulgarten enthält Übrigens der Band „Gärten. Von der Naturbeherrschung zur gesellschaftlichen Utopie“.

Neue Citavi-Kurse im Sommersemester

Im Sommersemester bietet die UB Erfurt wieder Einführungskurse in die Literaturverwaltung mit Citavi an. Treffpunkt ist der Vortragsraum im EG der Bibliothek, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kursinhalte sind:

  • Aufbau und Bedienung von Citavi
  • Literaturquellen und elektronische Volltexte in Citavi übernehmen, Citavi Picker
  • Literaturauswertung und Wissensorganisation (Zitate einpflegen)
  • Übernahme in Word-Dateien

Termine im Sommersemester 2026:

  • Montag, 20. April: 12.15 Uhr – 13.45 Uhr
  • Dienstag, 19. Mai: 10.15 Uhr – 11.45 Uhr
  • Mittwoch, 17. Juni: 12.15 Uhr – 13.45 Uhr
  • Donnerstag, 9. Juli: 14.15 Uhr – 15.45 Uhr

Sie können während der Veranstaltung an den Terminals im Vortragsraum mit Citavi arbeiten. Bei eigenen Endgeräten Citavi bitte vor der Schulung selbst installieren:  http://www.citavi.com/uni-erfurt.

Zur Nutzung von Citavi auf einem Mac wird eine Virtualisierungslösung benötigt. Weitere Hinweise dazu gibt es im Citavi Support.

 

„Nun will der Lenz uns grüßen“

Mit Abbildungen von Frühblühern aus Alten Drucken der Universitätsbibliothek Erfurt möchten wir auf die Gattung „Kräuter- oder Pflanzenbücher“ im Altbestand aufmerksam machen.
Wieso werden nun aber Schneeglöckchen, Hyazinthen oder Narzissen in Kräuterbüchern abgebildet?
Die Kräuterbücher des 15. und 16. Jahrhunderts fungierten als „Pflanzenbestimmungsbücher“ für alle bekannten Pflanzen, also auch Bäume, Sträucher, Nutz- und Zierpflanzen. Ihr Habitus wurde möglichst genau beschrieben, um die Pflanze in ihrer natürlichen Umgebung eindeutig erkennen zu können.
Noch wichtiger war allerdings die Schilderung ihres Nutzens bei der Behandlung bzw. in der Vermeidung von Krankheiten. Die Anwendung botanischer Kenntnisse als Teil medizinischer Behandlungen wurde schon von Ärzten der griechischen und römischen Antike beschrieben; diese Beschreibungen in Handschriften waren aber oftmals nur in Fragmenten vorhanden und wenigen Kundigen zugänglich.
Mit der weiteren Verbreitung in gedruckten Büchern erschienen die Werke der antiken Autoren wie Krateuas oder Dioskurides in ihrer Originalsprache, später auch in Übersetzung. Während sich die antiken Autoren besonders mit der Pflanzenwelt ihres mediterranen Lebensraumes befasst hatten, erweiterten die Wissenschaftler und Ärzte ab dem 15. Jahrhundert die Beschreibungen um die Pflanzen ihrer eigenen Heimat und setzten sich durchaus kritisch mit den Beschreibungen der antiken Autoren auseinander.

Die Kräuterbücher der frühen Neuzeit orientierten sich im Aufbau an den antiken Vorbildern, indem Bilder der Pflanzen (Holzschnitte, manchmal koloriert) gezeigt wurden, gefolgt vom Aufbau der Pflanzen, ihrer Herkunft und Nutzen bzw. Anwendung. Um die Suche nach Pflanzen oder Krankheiten für den Leser zu erleichtern, wurden in den gedruckten Büchern nun häufig Register eingefügt.
Im Lauf der Jahre wurde auch mehr Wert auf die eindeutige Identifizierung der dargestellten Pflanzen gelegt.

Narzisse im „Ortus Sanitatis“ (1497)

Während in der 1497 in Straßburg erschienenen Inkunabel „Ortus Sanitatis …“ (I. 4° 354) (Digitalisat) noch sehr phantasievolle Bilder (durchaus auch für unterschiedliche Pflanzen derselben Gattung, die sich ähnlich sahen) gezeigt wurden, legen später tätige Autoren mehr Wert auf Details.

„Kreutterbuch Deß Hochgelehrten und weitberühmbten Herrn D. Petri Andreae Matthioli …“ – ergänzte und erweiterte Ausgabe von 1611 mit verschiedenen Narzissen

So kann man mit den naturgetreuen Abbildungen in Pietro Mattiolis „Kreutterbuch“ (13-Ma. 2° 23t) (Digitalisat), welches drei Register enthält und durch Georg Handsch ins Deutsche übersetzt und von Joachim Camerarius ergänzt worden ist, auch heute in freier Natur ohne Schwierigkeiten Pflanzen identifizieren.
Dasselbe gilt für die großformatigen und detaillierten Illustrationen im „NEw Kreüterbůch …“ (13-Nb. 2° 1301e) von Leonhart Fuchs (Digitalisat), welches schon im Jahr 1543 in Basel erschien.

Schneeglöckchen aus dem „NEw Kreüterbůch …“ von 1543

Andrea Langner

Relaunch Datenbank Afrikastudien: African Studies Library

Die African Studies Library ist das Fachportal für interdisziplinäre Afrikastudien aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften. Dabei handelt es sich um ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes und an der Bibliothek der Goethe-Universität Frankfurt/Main angesiedeltes Projekt. Seit Februar 2026 präsentiert sich das Portal mit einer neuen  Benutzeroberfläche.

Hervorzuheben ist ein zentrales Rechercheportal Discovery für eine integrierte Katalogsuche in nationalen und internationaler Bibliotheksbeständen.

Darüber hinaus gibt es einen Blog, einen Newsletter und die Möglichkeit für Forschende, sich mit der internationalen Community zu vernetzen.

Folgende lizensierte Datenbanken sind über das Portal oder über DBIS zugänglich, teilweise mit kostenfreier persönlicher Registrierung:

  • African Books Collective
  • African Writers Series
  • Apartheid: Global Perspectives, 1946-1996
  • Corpus de la première littérature francophone de l’Afrique noire
  • Sabinet: ein Paket wissenschaftlicher Zeitschriften des südafrikanischen Anbieters Sabinet.

The African Studies Library is a project aiming at interdisciplinary African Studies in the field of humanities and social sciences. It is funded by the German Research Foundation (DFG) and hostet at the Goethe University Library in Frankfurt/Main. Since February 2026 the portal presents itself with a new user interface.

Notable is a central research portal Discovery for an integrated catalog search in national and international library holdings.

In addition, there is a blog, a newsletter, and the possibility for researchers to network with the international community.

The following licensed databases are accessible through the portal or via DBIS. In some cases a free personal registration is required:

  • African Books Collective
  • African Writers Series
  • Apartheid: Global Perspectives, 1946-1996
  • Corpus de la première littérature francophone de l’Afrique noir
  • Sabinet: a package of scientific journals from the South African provider Sabinet.

 

Sabine Ziebarth