Blick hinter die Kulissen – Bücherspenden

In loser Folge stellen wir im „Lesezeichen“ Bibliotheks-Mitarbeiter und deren Arbeitsbereiche vor, die normalerweise hinter den Kulissen verborgen bleiben – heute ein Gespräch mit Dietlinde Schmalfuß-Plicht, die unter anderem für die Bücher zuständig ist, die kostenlos ins Haus kommen.

Aus welchen Quellen bekommt die Bibliothek kostenlose Bücher?
Da sind zunächst einmal die Pflichtexemplare von Dissertationen zu nennen: Wer an der Universität Erfurt promoviert, muss entsprechend der Prüfungsordnung mehrere Exemplare seiner Dissertation an die Bibliothek übergeben.
Weitere Publikationen treffen bei uns im Rahmen des Schriftentauschs mit anderen Bibliotheken und Institutionen ein.
Und dann sind da noch die privaten Schenkungen, die von großen Nachlässen bis zu einzelnen Büchern reichen.

Wie ist der Weg eines Buches, das in der Bibliothek, z.B. an der Information als Geschenk abgegeben wird?
Ist der äußere Zustand eines Buches bibliotheksgeeignet, wird geprüft, ob der Titel schon im Bibliotheksbestand vorhanden ist. Falls dies zutrifft, wird das Geschenk nicht eingearbeitet. Ansonsten geht der Band in den zuständigen Fachbereich zur Entscheidung. Wenn diese positiv ausfällt, durchläuft das Geschenk den auch für gekaufte Bücher üblichen Geschäftsgang.
Wenn wir das Geschenk nicht einarbeiten, wünschen wir uns, dass die Schenker die Bücher zurücknehmen. Bei anonymen Schenkungen sind wir leider manchmal dazu gezwungen, die Bücher zu entsorgen.

Welche Kriterien werden angewandt um zu entscheiden, welche Geschenke die Bibliothek annimmt?
Die Bücher müssen inhaltlich zum Profil der Bibliothek passen, das dem Profil der Universität entspricht. So können wir zum Beispiel keine medizinische Literatur annehmen.
Aktualität ist ein weiteres Merkmal: veraltete Auflagen von Nachschlagewerken oder Gesetzeskommentaren kommen beispielsweise nicht in Frage.
Außerdem müssen wir Rücksicht auf die Platzkapazitäten im Lesesaal bzw. Magazin nehmen.

Wie verhält man sich idealerweise, wenn man der UB Bücher schenken möchte?
Am besten vorher schriftlich anfragen und eine Liste der Titel mitschicken, die Verfasser, Titel, Verlag und Erscheinungsjahr enthält. Dann kann eventuell direkt entschieden werden, ohne dass das Buch zuerst zu uns gebracht werden muss.

Haben Sie Tipps, was man sonst noch mit zu Hause nicht mehr benötigten Büchern tun kann?
Im Internet gibt es viele Ankaufsportale, die auch gebrauchte Bücher annehmen. Die Plattform Bonavendi beispielsweise vergleicht verschiedene Anbieter. Wer seine Bücher direkt an Interessenten verkaufen will, kann dies z.B. bei Booklooker tun.

Gibt es noch andere Mitarbeiter, die Sie bei dieser Aufgabe unterstützen?
Wenn es sich bei den Geschenken um Zeitschriften handelt, ist meine Kollegin Marion Herzberg zuständig. Wir sind beide unter der E-Mail-Adresse tausch.ub@uni-erfurt.de erreichbar.

Vielen Dank für das Gespräch

 

Ein Wörterbuch und Märchen

Beides passt zusammen, denn wir möchten mit diesem Beitrag an den deutschen Sprach- und Literaturwissenschaftler Jacob Grimm, der am 4. Januar 1785 geboren wurde, erinnern. Sein Werk ist eng mit Leben und Schaffen seines jüngeren Bruders Wilhelm verbunden. Den meisten sind die Brüder Grimm durch die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen bekannt, von denen auch in der UB zahlreiche Ausgaben in Printform, als Verfilmungen oder Hörbuch zu finden sind (GB 2706).

Für Sprachwissenschaftler ist hingegen das „Deutsche Wörterbuch“ („Der Grimm“) ein Begriff – das umfassendste Wörterbuch der deutschen Sprache, das sich vor allem durch die akribische Beschreibung der Wortbedeutungen und eine Vielzahl dafür aufgeführter Belegstellen auszeichnet. Der erste Band erschien 1854, der letzte, das Quellenverzeichnis, 1971. Inzwischen gibt es Neuausgaben und Überarbeitungen. So ist nicht nur das Wörterbuch selbst mit seinem Umfang und den für Sprachwissenschaftler und Sprachhistoriker wertvollen Einträgen interessant, sondern auch dessen Entstehungsgeschichte.

Wenn Sie die deutsche Sprache einmal aus einem neuen Blickwinkel kennenlernen möchten, finden Sie Printausgaben des Wörterbuchs im 1. OG der Bibliothek unter GB 1498 G864 und online unter http://dwb.uni-trier.de/de/die-digitale-version/online-version/

 

Nik’laus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann!

Bischof NikolausWenn am Vorabend es 6. Dezember wieder viele Kinder in Deutschland ihre Stiefel (geputzt!) oder Teller vor die Tür stellen, freuen sie sich am Nikolaustag über Leckereien und andere Kleinigkeiten, die der Nikolaus wie jedes Jahr bringt.

Neben diesem beliebten deutschen Brauch gibt es auch in anderen Ländern Traditionen, die mit der Person des Heiligen Nikolaus verbunden sind.

Geboren wurde Nikolaus von Myra zwischen 270 und 286 in Patara (in der Antike eine lykische Hafenstadt); für das Sterbedatum gibt als gesichert der 6. Dezember, für das Jahr gibt es verschiedene überlieferte Angaben. Er wird in der katholischen und russisch-orthodoxen Kirche als Gabenbringer, Helfer in der Not und Wohltäter verehrt.

Mit dem Namen des Heiligen Nikolaus verbinden sich zahlreiche Legenden: das Kornwunder, die Spende einer Mitgift für drei arme Mädchen, um sie vor der Prostitution zu retten und die Auferweckung Verstorbener.

Auf unserer Abbildung (aus dem „Liber chronicarum“ des Hartmann Schedel – auch Schedelsche Weltchronik genannt) sehen wir einen Holzschnitt von St. Nikolaus. Bei diesem Druck aus dem Jahr 1497 (Signatur UB Erfurt, Dep. Erf. I. 4° 19) handelt es sich übrigens um einen Raubdruck.

Freuen wir uns auf den 6. Dezember, denn bald ist Nik’lausabend da!

Abbildung mit Text, dazu die Übersetzung (Dr. Berthold Kreß):

Bischof Nikolaus mit TextBischof Nikolaus

Nikolaus war aus einer berühmten Familie geboren und Bürger von Patara, einer Stadt in Lykien. Als er als Knäblein mit Muttermilch genährt wurde, begann er, zweimal in der Woche, am Mittwoch und Freitag [die in Klöstern Fasttage sind], die Brust zu verschmähen. Als er als junger Mann mit guten Anlagen zum Waisen wurde, tat er neben anderen guten Werken folgende gedächtniswürdige Tat: ein adeliger Nachbar wollte aufgrund der Armut seine heiratsfähigen Töchter zu Huren machen [da er keine Mitgift aufbringen konnte]. Als der Heilige das erfuhr, hatte er Mitleid mit diesem überaus elenden Mann. In der Nacht nahm er eine größere Menge Goldes und warf es heimlich durch das Fenster hinein. Als der Mann das empfangen hatte, verheiratete er damit die älteste Tochter. Dann machte [Nikolaus] dasselbe für die anderen beiden. Später wurde er zum Bischof von Myra gewählt. Er diente in aller Demut, war feurig im Ermuntern, streng im Tadeln, und floh vor dem Klatsch der Frauen. Dann begann er, durch Wunder zu glänzen, nicht nur bei den Seinen, sondern auch anderswo, so dass alle, die seinen Namen anriefen, Erleichterung erfuhren, vor allem bei Sturm und Schiffbruch. Als er endlich, alt und hochbetagt, spürte, dass sein Tod nahe sei, begann er zu beten. Als er dann Engel sah, sprach er: In Dich, o Herr, habe ich gehofft (Ps. 30.1). Schließ sprach er: In Deine Hände etc. [gebe ich meinen Geist] (Ps. 30.6) und gab seine Seele dem Herrn zurück. Man sagt, dass an seinem Grab Öl hervorbrach, durch das die dorthin gebrachten Kranken Heilung erlangten. Sein Fest wird am 8. Tag vor den Iden des Dezembers gefeiert.

 

 

Übrigens: kennen Sie die Nikolaikirche In Erfurt? Ist Ihnen unbekannt? Leider ist von dieser im etwa 10. oder 11. Jahrhundert erbauten Kirche nur der Nikolaiturm aus dem Jahr 1360/61 mit der restaurierten Elisabethkapelle erhalten.

Sankt Martin in zweifelhafter Gesellschaft

Zu den wichtigsten historischen Beständen der Stadtbibliothek Erfurt, die sich heute als Depositum in der Universitätsbibliothek befinden, gehören die fast 4000 Bände, die Philipp Wilhelm Graf von Boineburg (1656–1717), kurmainzischer Stadthalter in Erfurt, der Universität geschenkt hatte. Unter den ernsthaften theologischen und historischen Werken ragt ein Bändchen (3-Lp. 8° 220) mit dem unschuldigen Titel ‚Coloqvio de las damas‘ heraus. Hierbei handelt es sich um die spanische Übersetzung der Ragionamenti des italienischen Humanisten Pietro Aretino (1492–1556) – Dialogen, in denen diskutiert wird, ob das Klosterleben, die Ehe oder das ‚horizontale Gewerbe‘ für Frauen das Beste sei und die Wahl auf letzteres fällt.

In scharfen Kontrast zu diesem anrüchigen Text steht der Einband. Da Pergament ein kostbares Material ist, war es seit dem Mittelalter üblich, nicht mehr gebrauchte Pergamenthandschriften zu zerschneiden und für Einbände zu verwenden. Oft sind das nur kleine Fragmente, doch besitzt die UB Erfurt über 500 Bände, in denen, wie hier, der Einband mit solcher ‚Makulatur‘ überzogen ist.

In diesem Fall handelt es sich um ein Fragment aus der Lebensbeschreibung des Heiligen Martin von Sulpicius Severus, die um das Jahr 400 verfasst worden war. Da der Text gut bekannt ist, war es möglich, Lücken, die durch das Zuschneiden des Pergaments und verschiedene aufgeklebte Zettel entstanden waren, zu überbrücken. Eine Abschrift und Übersetzung des Textes können unter diesem Link gelesen werden.

Mit einem Fragment alleine kann man oft wenig anfangen. Jedoch wäre es durchaus möglich, dass der Buchbinder, der dieses Bändchen gebunden hatte, noch andere Teile der gleichen Handschrift für Bücher verwendete, die heute in ganz anderen Sammlungen aufbewahrt werden. Daher wurde vor einigen Jahren ein digitaler Katalog solcher Fragmente begonnen – es wäre zu hoffen, dass hier in Zukunft auch die Fragmente aus Erfurter Beständen erfasst werden könnten.

Neue Auszubildende in der UB

Am 1. September begann für Jessica Tonn die dreijährige Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Dies ist ein möglicher Weg für ein späteres „bibliothekarisches Leben“. Auch wenn ein häufiger Grund für die Berufswahl unserer Azubis die Liebe zum Lesen ist, kommen sie doch im Ausbildungsalltag selten dazu, in Büchern zu schmökern. Wie so vieles Andere hat auch dieses Berufsbild einen starken Wandel hin zur Technisierung erfahren.
Neben der praktischen Ausbildung in unserer Bibliothek erhält Frau Tonn das theoretische Wissen für ihren Beruf in der Berufsschule in Sondershausen. Während interessanter Praktika, so in einer Buchhandlung, in einer Stadtbibliothek oder in einem Archiv, wird sie viele zusätzliche Erfahrungen sammeln können.

Wir wünschen Frau Tonn und unseren anderen Auszubildenden einen guten Start in das neue Ausbildungsjahr und viel Freude an ihrem gewählten Beruf.

Prominentes Geburtstagskind

Frühere Schülergenerationen kannten seine Lebensdaten auswendig. Heute würde er 270 Jahre alt: Johann Wolfgang von Goethe (28. August 1749 – 22. März 1832).

Sein Geburtstag soll Anlass sein, mal in der UB nach dem berühmten Autor zu suchen.

Selbstverständlich gibt es eine Vielfalt an gedruckten Ausgaben seiner Werke und noch viel mehr Sekundärliteratur. In unserer Klassifikation RVK (Systematik, nach der unser Bestand erschlossen bzw. im Lesesaal aufgestellt ist) ist für Goethe eine eigene umfangreiche Gruppe vorgesehen.

Doch auch bei unserem digitalen Angebot wird man fündig, exemplarisch seien hier genannt die Weimarer Goethe-Bibliographie oder für weitreichende Informationen über Goethe und die Kunst und Kultur der Goethezeit das Goethezeitportal.

Und wer sich bei der Klassiker-Lektüre zu sehr an anstrengenden Deutschunterricht erinnert fühlt, der kann vielleicht mit einer Nacherzählung für Kinder einsteigen, z.B. Götz von Berlichingen.

Bildquelle: www.sammlung.pinakothek.de (Josef Karl Stieler),
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de