Mittelalterliches Chirurgie-Lehrbuch im Stadtmuseum

In der Amploniana-Vitrine im Stadtmuseum stellen wir ab heute eine neue Handschrift aus: das Lehrbuch über die Chirurgie von Guy de Chauliac — einem berühmten französischen Arzt aus dem 14. Jahrhundert –, das bis in die Neuzeit immer wieder abgeschrieben und u.a. an der Universität Erfurt im Unterricht verwendet wurde. Bis Ende August zeigen wir die meisterhaft verzierte einleitende Seite, anschließend für 6 Wochen eine Initiale in kräftigen Deckfarben, die in den 600 Jahren seit ihrer Entstehung nichts von ihrer Leuchtkraft eingebüßt haben. Welch‘ furchterregende chirurgische Instrumente damals zum Einsatz kamen, kann man diesem Lehrbuch ebenfalls entnehmen.

UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 283, Blatt 1r
UB Erfurt, Dep. Erf., CA 2° 283, Blatt 42v

Schauen Sie sich die kostbare Pergamenthandschrift aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts gerne im Original an:
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

Veranstaltung: Vorstellung restaurierter Amploniana-Handschriften

Der Universitätsbibliothek Erfurt ist es gelungen, Fördermittel einzuwerben, um drei Handschriften der Bibliotheca Amploniana restaurieren zu lassen. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur trägt im Rahmen der Förderlinie „Bestandserhaltung für Schriftliches Kulturgut“ einen Großteil der Kosten; die Universität Erfurt hat Eigenmittel eingebracht.

Eine dieser Handschriftenrestaurierungen war besonders komplex und aufwendig, so dass sie von einem spezialisierten Papierrestaurator durchgeführt werden musste. In einer Veranstaltung am

Dienstag, den 30. Juni 2026 um 17 Uhr im Sonderlesesaal der Universitätsbibliothek Erfurt (2. OG)

wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

In diesem Zusammenhang werden Fotos vom Vorzustand gezeigt, die Restaurierungsarbeiten im Einzelnen erläutert und die Ergebnisse an den Originalen präsentiert.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen

Spaß bei der Aristoteles-Lektüre

Ab dieser Woche wird für drei Monate eine Handschrift der Bibliotheca Amploniana in der eigens dafür gebauten Buchvitrine Stadtmuseum ausgestellt. Nach sechs Wochen wird geblättert.

Gezeigt wird zunächst der Anfang von Aristoteles‘ zweitem Buch „Über Entstehen und Vergehen“, welcher mit einer kunstvollen Gold-Initiale gestaltet ist. Ein Gelehrter mit spitzem Hut – so stellte sich der Illuminator offenbar Aristoteles vor – präsentiert ein Buch mit einem Kopert-Einband, einer Art Taschenbuch des Mittelalters:

Ab Mitte Juli müssen Sie etwas genauer hinschauen: ganz klein am Rand zeigen ein Mann mit spitzem Hut, ein Hund oder ein kleiner Drache inhaltliche Querverweise an – mit solch lustigen Zeichnungen konnte man bei der Aristoteles-Lektüre auch Spaß haben!


Schauen Sie sich die kostbare Pergamenthandschrift aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts gerne im Original an:
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

 

Ein Lebensbaum im Stadtmuseum

Ein Lebensbaum im Stadtmuseum: wachsen die darin sitzenden Figuren wirklich aus dem Schlafenden heraus? Welche traditionsreiche Geschichte dahintersteckt, erfahren Sie, wenn Sie die Ausstellung besuchen. In der Amploniana-Vitrine wird das erste Blatt der Handschrift Dep. Erf., CA 2° 54 für sechs Wochen der Öffentlichkeit präsentiert.

Im April 2026 wird umgeblättert. Dann können Sie erleben, was scheinbar „normale“ mittelalterliche handgeschriebene Textseiten für neugierige Augen zu bieten haben; mit dabei sind einige interessante Details zum Herstellungsprozess einer mittelalterlichen Handschrift.

„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Für Studierende der Universität Erfurt ist der Eintritt frei!

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

 

Digitalisierung der Amploniana-Handschriften abgeschlossen

Das Team des Bereichs Sondersammlungen freut sich über einen besonderen Projekterfolg: Die knapp tausend Handschriften der Bibliotheca Amploniana sind digitalisiert! Mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurden innerhalb von 36 Monaten ca. 330.000 Scans von zwei Digitalisierungskräften in zwei Schichten angefertigt. Um sie herum ein Team von fünf Mitarbeiterinnen, das in einem fein ausgefeilten und eng verzahnten Workflow alles dafür tat, dass die Digitalisate der internationalen Forschung und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, und zwar in der durch die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) bereitgestellten Digitalen Historischen Bibliothek.

Der Workflow sah die folgenden Arbeitsschritte vor:

„Ausheben“ ist der bibliothekarische Fachbegriff dafür, dass man Bücher – in diesem Fall mittelalterliche Codices – aus dem Regal holt. Die konservatorische Sichtung führte in den meisten Fällen zu restauratorischen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Trockenreinigung mit speziellen Pinseln, Schwämmen und Schmutzradierern an einer Absauganlage; vielfach mussten Blätter oder Fragmente geglättet, Blattteile gesichert und in früheren Zeiten auf Texte aufgeklebte Signaturschilder gelöst werden. 16 Handschriften mussten aufwendig durch externe Werkstätten restauriert werden; dafür wurden in der Projektlaufzeit Fördermittel in Höhe von 25.500 € beantragt und bewilligt. Die konkrete Vorbereitung für die Digitalisierung umfasste zunächst die Foliierung, was bedeutet, dass man vorhandene Blattzählungen (nicht Seitenzählungen) überprüfte, korrigierte oder ergänzte; sodann wurden auf einem Laufzettel die Parameter und die zu berücksichtigenden Besonderheiten für die Digitalisierung festgelegt. Nach dem Scannen erfolgte eine strenge Qualitätskontrolle, die ggf. zu einem Rescan führte. Erst nach der Freigabe durch die Qualitätskontrolle konnte der Upload in die Digitale Historische Bibliothek erfolgen, wo die Dateien strukturiert, mit weiteren Metadaten verknüpft, mit einem URN (einem persistenten Identifier) versehen und dann veröffentlicht wurden.

Die Digitalisierung selbst fand am sog. Grazer Buchtisch statt, einer von einem Österreichischen Buchrestaurator eigens für Handschriften entwickelten Buchwippe, die bestandschonendes Scannen ermöglicht. Die Digitalisierung war eine reine Image-Digitalisierung, das heißt, dass mit einer professionellen Kameraausrüstung (Canon EOS 5DSR mit einem Zeiss Milvus 2/50 mm-Objektiv) Fotos von den einzelnen Handschriftenseiten gemacht wurden. Es wurden zuerst alle rechten Seiten, dann alle linken Seiten gescannt, die Software MultiDotScan brachte die 70 bis 120 MB großen TIFF-Dateien anschließend in die richtige Reihenfolge.

Dass dieses Großprojekt mit allen fein aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten so reibungslos und terminlich im geforderten Rahmen durchgeführt werden konnte, ist ein großartiger Erfolg!

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen

Ein Weihnachtsengel im Stadtmuseum?

Zu Beginn des Kirchenjahres sind Engel allgegenwärtig. Warum dies kein klassischer Weihnachtsengel ist und was genau dahintersteckt, erfahren Sie bei einem Besuch im Erfurter Stadtmuseum. Dort ist das Blatt 27v aus der Handschrift Dep. Erf., CA 2° 296 für sechs Wochen in der Amploniana-Vitrine zu sehen.

Wenn Ende Januar 2026 geblättert wird, erhalten Sie Einsicht in die Reichhaltigkeit der buchkünstlerischen Ausstattung in diesem Codex sowie die Antwort auf die Frage, warum der Illuminator eine Vorliebe für den Buchstaben „Q“ hatte.

„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt