Dringend gesucht: Hirschkäfer aka Feuerwurm!

In Thüringen ruft der NABU Thüringen gemeinsam mit dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) zur Suche dieser leider inzwischen in Deutschland seltenen Käferart auf; Hirschkäfer (Lucanus cervus) sind nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa geschützt.
Noch bis Ende Juli/Anfang August kann man mit viel Glück die imponierenden Käfer (meistens die Männchen) in ihren Verbreitungsgebieten in der Dämmerung beim Flug beobachten.
Da für die Larven morsches Totholz lebenswichtig ist, aber Baumstümpfe der bevorzugten Eichen und auch anderer Laubbäume oftmals entfernt bzw. bei Winterfällung gebildete ungeeignete Gerbsäuren die Zersetzung des Totholzes verhindern, fehlt der Überlebensraum und die Nahrungsgrundlage für die Larven. In den letzten Jahren lebten Hirschkäfer nicht mehr nur in Wäldern, sondern zunehmend als Kulturfolger auch in Parks und Gärten – wenn man Baumstümpfe nicht rodet und Totholz an Ort und Stelle belässt. Von Menschen angelegte Hirschkäferwiegen können bei Beachtung aller wichtigen Umstände eine zusätzliche Überlebenshilfe sein.
Also: bei Sichtung gern mit Foto melden, weitere Informationen findet man auf der Website des NABU Thüringen.
Die beeindruckende Darstellung des hier gezeigten Hirschkäfermännchens stammt aus dem Band „ Natursystem aller bekannten in- und ausländischen Insekten als eine Fortsetzung der von Büffonschen Naturgeschichte/Fortgesetzt von Johann Friedrich Wilhelm Herbst. [2], Der Käfer dritter Theil“. Tafel XXXIII (13-Nz. 4° 1221 (Ill.,3). Auch die Entwicklung vom Ei über die Larve und Puppe, die bis zu 8 Jahren dauern kann, wird abgebildet auf Tafel E.


Die weitere Beschreibung des Hirschkäfers erfolgt im Textband zu o.g. Band mit gleichem Titel und der Signatur 13-Nz. 8° 1221a (2,1).

Und woher kommt nun der Name Feuerwurm? Früher glaubte man, dass der Hirschkäfer in seinen rötlichen Zangen glühende Kohle aus dem Feuer stielt und damit Brände legt.

Andrea Langner

Veranstaltung: Vorstellung restaurierter Amploniana-Handschriften

Der Universitätsbibliothek Erfurt ist es gelungen, Fördermittel einzuwerben, um drei Handschriften der Bibliotheca Amploniana restaurieren zu lassen. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur trägt im Rahmen der Förderlinie „Bestandserhaltung für Schriftliches Kulturgut“ einen Großteil der Kosten; die Universität Erfurt hat Eigenmittel eingebracht.

Eine dieser Handschriftenrestaurierungen war besonders komplex und aufwendig, so dass sie von einem spezialisierten Papierrestaurator durchgeführt werden musste. In einer Veranstaltung am

Dienstag, den 30. Juni 2026 um 17 Uhr im Sonderlesesaal der Universitätsbibliothek Erfurt (2. OG)

wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

In diesem Zusammenhang werden Fotos vom Vorzustand gezeigt, die Restaurierungsarbeiten im Einzelnen erläutert und die Ergebnisse an den Originalen präsentiert.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung nicht notwendig.

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen

Spaß bei der Aristoteles-Lektüre

Ab dieser Woche wird für drei Monate eine Handschrift der Bibliotheca Amploniana in der eigens dafür gebauten Buchvitrine Stadtmuseum ausgestellt. Nach sechs Wochen wird geblättert.

Gezeigt wird zunächst der Anfang von Aristoteles‘ zweitem Buch „Über Entstehen und Vergehen“, welcher mit einer kunstvollen Gold-Initiale gestaltet ist. Ein Gelehrter mit spitzem Hut – so stellte sich der Illuminator offenbar Aristoteles vor – präsentiert ein Buch mit einem Kopert-Einband, einer Art Taschenbuch des Mittelalters:

Ab Mitte Juli müssen Sie etwas genauer hinschauen: ganz klein am Rand zeigen ein Mann mit spitzem Hut, ein Hund oder ein kleiner Drache inhaltliche Querverweise an – mit solch lustigen Zeichnungen konnte man bei der Aristoteles-Lektüre auch Spaß haben!


Schauen Sie sich die kostbare Pergamenthandschrift aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts gerne im Original an:
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

 

Wortschatz Bibliothek. Heute: Inkunabel, die; -n

Unter Inkunabeln versteht man im Buch- und Bibliothekswesen die frühesten Drucke nach Erfindung des Buchdrucks (ca. 1453) bis einschließlich 1500. „Inkunabula“ bedeutet übersetzt aus dem Lateinischen „Wiege, Windel, Geburtsort“, benutzt wird auch der Begriff „Wiegendrucke“ für diese frühen Erzeugnisse des Buchdrucks.
Typisch für Inkunabeln ist die noch starke Anlehnung an die bis dahin übliche Gestaltung von Handschriften: es gibt kein Titelblatt bzw. es bildet sich langsam heraus; im Incipit werden die ersten Worte oder Sätze eines Werks genannt (oft hervorgehoben im Text); Auskünfte zum Erscheinungsort, Drucker oder dem Druckdatum befinden sich im Kolophon, einem Vermerk am Ende des Drucks, welches die eindeutige Identifikation des Werks ermöglicht; manchmal werden Initialen farbig per Hand nachgetragen und im Text selbst gibt es häufig Abkürzungen, wie sie in Handschriften gebräuchlich waren.
Die Auflagenhöhe lag durchschnittlich bei 400 bis 500 Exemplaren, bei einzelnen „populären“ Titeln konnten es durchaus bis zu 1000 Stück sein.

Die wohl bekannteste Inkunabel ist die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, welche zwischen 1452 und 1454 gedruckt wurde. Bekannt als „Gutenberg-B42“ enthält sie das Alte und das Neue Testament, der Text ist zweispaltig mit 42 Zeilen gesetzt worden. Die Auflage betrug etwa 180 Exemplare, davon ca. 30 Stück auf Pergament gedruckt. Sie wurde in der Druckerei des Johannes Gutenberg mit Hilfe seines Mitarbeiters Peter Schöffer (und ca. 20 anderen in der Offizin angestellten Druckern) hergestellt, unterstützt durch finanzielle Zuwendungen von Johannes Fust.

Eine ebenfalls sehr ansehnliche Inkunabel ist die Schedelsche Weltchronik von 1493 (Zusammensteller Hartmann Schedel), deren deutschsprachige Ausgabe von 1493 sich auch im Bestand der Universitätsbibliothek befindet.(UB Erfurt, Dep. Erf., I. 2° 232). Ausgestattet ist sie mit zahlreichen Holzschnitten der Künstler Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff.
Geschildert wurde die Schöpfungsgeschichte bis zum Zeitpunkt der Entstehung der Chronik. Neben historischen Begebenheiten sind biblische und mythologische Erzählungen, Naturkatastrophen wie Erdbeben, Fluten usw., kurze Porträts bedeutender Personen und zahlreiche Städteansichten zu finden.
Gezeigt wird eine doppelseitige Darstellung der Stadtansicht von Erfurt:

Eine nachträglich kolorierte Abbildung der Schöpfungsgeschichte finden wir in der Inkunabel UB Erfurt, Dep. Erf., I. 4° 336 (01): Die Bibel zu teutsch getrukt .., Teil 1.

Insgesamt befinden sich etwa 650 Bände mit Inkunabeln im Bestand der UB Erfurt, welche aus zahlreichen Provenienzen – aus dem Collegium Amplonianum, aus der alten Universitätsbibliothek, den ehemaligen klösterlichen Bibliotheken und der Boineburgschen Bibliothek stammen.

Andrea Langner

„Nun will der Lenz uns grüßen“

Mit Abbildungen von Frühblühern aus Alten Drucken der Universitätsbibliothek Erfurt möchten wir auf die Gattung „Kräuter- oder Pflanzenbücher“ im Altbestand aufmerksam machen.
Wieso werden nun aber Schneeglöckchen, Hyazinthen oder Narzissen in Kräuterbüchern abgebildet?
Die Kräuterbücher des 15. und 16. Jahrhunderts fungierten als „Pflanzenbestimmungsbücher“ für alle bekannten Pflanzen, also auch Bäume, Sträucher, Nutz- und Zierpflanzen. Ihr Habitus wurde möglichst genau beschrieben, um die Pflanze in ihrer natürlichen Umgebung eindeutig erkennen zu können.
Noch wichtiger war allerdings die Schilderung ihres Nutzens bei der Behandlung bzw. in der Vermeidung von Krankheiten. Die Anwendung botanischer Kenntnisse als Teil medizinischer Behandlungen wurde schon von Ärzten der griechischen und römischen Antike beschrieben; diese Beschreibungen in Handschriften waren aber oftmals nur in Fragmenten vorhanden und wenigen Kundigen zugänglich.
Mit der weiteren Verbreitung in gedruckten Büchern erschienen die Werke der antiken Autoren wie Krateuas oder Dioskurides in ihrer Originalsprache, später auch in Übersetzung. Während sich die antiken Autoren besonders mit der Pflanzenwelt ihres mediterranen Lebensraumes befasst hatten, erweiterten die Wissenschaftler und Ärzte ab dem 15. Jahrhundert die Beschreibungen um die Pflanzen ihrer eigenen Heimat und setzten sich durchaus kritisch mit den Beschreibungen der antiken Autoren auseinander.

Die Kräuterbücher der frühen Neuzeit orientierten sich im Aufbau an den antiken Vorbildern, indem Bilder der Pflanzen (Holzschnitte, manchmal koloriert) gezeigt wurden, gefolgt vom Aufbau der Pflanzen, ihrer Herkunft und Nutzen bzw. Anwendung. Um die Suche nach Pflanzen oder Krankheiten für den Leser zu erleichtern, wurden in den gedruckten Büchern nun häufig Register eingefügt.
Im Lauf der Jahre wurde auch mehr Wert auf die eindeutige Identifizierung der dargestellten Pflanzen gelegt.

Narzisse im „Ortus Sanitatis“ (1497)

Während in der 1497 in Straßburg erschienenen Inkunabel „Ortus Sanitatis …“ (I. 4° 354) (Digitalisat) noch sehr phantasievolle Bilder (durchaus auch für unterschiedliche Pflanzen derselben Gattung, die sich ähnlich sahen) gezeigt wurden, legen später tätige Autoren mehr Wert auf Details.

„Kreutterbuch Deß Hochgelehrten und weitberühmbten Herrn D. Petri Andreae Matthioli …“ – ergänzte und erweiterte Ausgabe von 1611 mit verschiedenen Narzissen

So kann man mit den naturgetreuen Abbildungen in Pietro Mattiolis „Kreutterbuch“ (13-Ma. 2° 23t) (Digitalisat), welches drei Register enthält und durch Georg Handsch ins Deutsche übersetzt und von Joachim Camerarius ergänzt worden ist, auch heute in freier Natur ohne Schwierigkeiten Pflanzen identifizieren.
Dasselbe gilt für die großformatigen und detaillierten Illustrationen im „NEw Kreüterbůch …“ (13-Nb. 2° 1301e) von Leonhart Fuchs (Digitalisat), welches schon im Jahr 1543 in Basel erschien.

Schneeglöckchen aus dem „NEw Kreüterbůch …“ von 1543

Andrea Langner

Ein Lebensbaum im Stadtmuseum

Ein Lebensbaum im Stadtmuseum: wachsen die darin sitzenden Figuren wirklich aus dem Schlafenden heraus? Welche traditionsreiche Geschichte dahintersteckt, erfahren Sie, wenn Sie die Ausstellung besuchen. In der Amploniana-Vitrine wird das erste Blatt der Handschrift Dep. Erf., CA 2° 54 für sechs Wochen der Öffentlichkeit präsentiert.

Im April 2026 wird umgeblättert. Dann können Sie erleben, was scheinbar „normale“ mittelalterliche handgeschriebene Textseiten für neugierige Augen zu bieten haben; mit dabei sind einige interessante Details zum Herstellungsprozess einer mittelalterlichen Handschrift.

„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Für Studierende der Universität Erfurt ist der Eintritt frei!

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt