Digitalisierung der Amploniana-Handschriften abgeschlossen

Das Team des Bereichs Sondersammlungen freut sich über einen besonderen Projekterfolg: Die knapp tausend Handschriften der Bibliotheca Amploniana sind digitalisiert! Mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurden innerhalb von 36 Monaten ca. 330.000 Scans von zwei Digitalisierungskräften in zwei Schichten angefertigt. Um sie herum ein Team von fünf Mitarbeiterinnen, das in einem fein ausgefeilten und eng verzahnten Workflow alles dafür tat, dass die Digitalisate der internationalen Forschung und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, und zwar in der durch die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) bereitgestellten Digitalen Historischen Bibliothek.

Der Workflow sah die folgenden Arbeitsschritte vor:

„Ausheben“ ist der bibliothekarische Fachbegriff dafür, dass man Bücher – in diesem Fall mittelalterliche Codices – aus dem Regal holt. Die konservatorische Sichtung führte in den meisten Fällen zu restauratorischen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Trockenreinigung mit speziellen Pinseln, Schwämmen und Schmutzradierern an einer Absauganlage; vielfach mussten Blätter oder Fragmente geglättet, Blattteile gesichert und in früheren Zeiten auf Texte aufgeklebte Signaturschilder gelöst werden. 16 Handschriften mussten aufwendig durch externe Werkstätten restauriert werden; dafür wurden in der Projektlaufzeit Fördermittel in Höhe von 25.500 € beantragt und bewilligt. Die konkrete Vorbereitung für die Digitalisierung umfasste zunächst die Foliierung, was bedeutet, dass man vorhandene Blattzählungen (nicht Seitenzählungen) überprüfte, korrigierte oder ergänzte; sodann wurden auf einem Laufzettel die Parameter und die zu berücksichtigenden Besonderheiten für die Digitalisierung festgelegt. Nach dem Scannen erfolgte eine strenge Qualitätskontrolle, die ggf. zu einem Rescan führte. Erst nach der Freigabe durch die Qualitätskontrolle konnte der Upload in die Digitale Historische Bibliothek erfolgen, wo die Dateien strukturiert, mit weiteren Metadaten verknüpft, mit einem URN (einem persistenten Identifier) versehen und dann veröffentlicht wurden.

Die Digitalisierung selbst fand am sog. Grazer Buchtisch statt, einer von einem Österreichischen Buchrestaurator eigens für Handschriften entwickelten Buchwippe, die bestandschonendes Scannen ermöglicht. Die Digitalisierung war eine reine Image-Digitalisierung, das heißt, dass mit einer professionellen Kameraausrüstung (Canon EOS 5DSR mit einem Zeiss Milvus 2/50 mm-Objektiv) Fotos von den einzelnen Handschriftenseiten gemacht wurden. Es wurden zuerst alle rechten Seiten, dann alle linken Seiten gescannt, die Software MultiDotScan brachte die 70 bis 120 MB großen TIFF-Dateien anschließend in die richtige Reihenfolge.

Dass dieses Großprojekt mit allen fein aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten so reibungslos und terminlich im geforderten Rahmen durchgeführt werden konnte, ist ein großartiger Erfolg!

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen

Ein Weihnachtsengel im Stadtmuseum?

Zu Beginn des Kirchenjahres sind Engel allgegenwärtig. Warum dies kein klassischer Weihnachtsengel ist und was genau dahintersteckt, erfahren Sie bei einem Besuch im Erfurter Stadtmuseum. Dort ist das Blatt 27v aus der Handschrift Dep. Erf., CA 2° 296 für sechs Wochen in der Amploniana-Vitrine zu sehen.

Wenn Ende Januar 2026 geblättert wird, erhalten Sie Einsicht in die Reichhaltigkeit der buchkünstlerischen Ausstattung in diesem Codex sowie die Antwort auf die Frage, warum der Illuminator eine Vorliebe für den Buchstaben „Q“ hatte.

„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

 

Universitätsbibliothek Erfurt digitalisiert einzigartige Handschrift des Ursulinenklosters Erfurt

Im Besitz des Ursulinenklosters Erfurt befindet sich ein jahrhundertealter Codex, das Kapiteloffiziumsbuch des Weißfrauenklosters. Die Handschrift mit Einträgen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert wurde innerhalb des zentral am Erfurter Anger gelegenen Klosters von Generation zu Generation weitergegeben: Als das Weißfrauenkloster mit dem Tod der letzten Nonne 1667 vor der Auflösung stand, wurde es von Frauen aus dem Orden der Ursulinen übernommen, die bis heute dort wirken. Das Manuskript ist von großem historischem Interesse für die Erforschung der Kloster- und Stadtgeschichte Erfurts sowie der Frauenklöster Thüringens. Der Nekrolog ermöglicht einen Blick ins Klosterleben sowie in die Zusammenstellung des Konvents, außerdem erhellen Notierungen von Stiftungen persönliche Beziehungen zwischen Wohltätern und Konvent. Einen besonderen Blick gewähren die seit der Klosterreform in der Mitte des 15. Jahrhunderts notierten Eintragungen vornehmlich zu den sogenannten Nonnenkrönungen.

Andrea Wittkampf, Co-Leiterin des Bistumsarchivs Erfurt, hat die Handschrift erforscht und jüngst ihre Dissertation dazu vorgelegt: https://opac.uni-erfurt.de/DB=1/XMLPRS=N/PPN?PPN=1937762807.

In diesem Zusammenhang hat sie die Kooperation der Universitätsbibliothek Erfurt mit dem Ursulinenkloster Erfurt initiiert: Die Universitätsbibliothek Erfurt digitalisiert mit ihrer modernen und buchschonenden Technik, die auch für die Handschriften der Bibliotheca Amploniana (https://www.uni-erfurt.de/bibliothek/suchen-und-finden/handschriften-inkunabeln-alte-drucke/bibliotheca-amploniana) eingesetzt wird, die kostbare Handschrift für die Ursulinen, welche selbst nicht über derartige professionelle Möglichkeiten verfügen. Die Infrastruktur für die Archivierung und Präsentation stellt die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) bereit. Somit wird das geschichtsträchtige Manuskript der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht und gleichzeitig durch eine Benutzungssperre für die Zukunft geschützt.

Die Digitalisate sind zugänglich unter: https://collections.thulb.uni-jena.de/receive/HisBest_cbu_00156047

Schwester Jutta Böhm (Oberin des Ursulinenklosters Erfurt) und Tobias Hohenberger (Geschäftsführer des Ursulinenklosters Erfurt) übergeben ihre Handschrift an Dr. Katrin Ott (Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt) für die Digitalisierung am sog. Grazer Buchtisch. Mit dabei: Dr. Andrea Wittkampf (Co-Leiterin des Bistumsarchivs Erfurt), die die Handschrift erforscht und die Kooperation initiiert hat.

Augenweide im Stadtmuseum

Heute wurde im Stadtmuseum Erfurt eine neue Handschrift in die Bibliotheca-Amploniana-Vitrine gelegt. Gezeigt wird zunächst die prächtig gestaltete — und farblich unverändert strahlende — erste Seite des Codex Dep. Erf., CA 2° 27, der ungefähr 700 Jahre alt ist. In sechs Wochen wird eine Doppelseite aufgeschlagen, die wichtige Erkenntnisse zur Handschriftenproduktion im Mittelalter liefert.

Machen Sie sich selbst ein Bild von der eindrucksvollen Originalhandschrift aus Pergament im
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

Medizinische Amploniana-Handschrift im Stadtmuseum

Im Stadtmuseum Erfurt werden in einer speziellen Buchvitrine regelmäßig Handschriften der Bibliotheca Amploniana ausgestellt.
Beim aktuell gezeigten Codex Dep. Erf., CA 4° 173 aus dem 13. Jahrhundert handelt es sich um eine „Articella-Handschrift“*, also einen zur sog. Articella („Kleine Kunst“) zusammengestellten Kanon medizinischer Schriften, welcher das zentrale Lehrbuch für Medizinstudenten bis ins 16. Jahrhundert bildete. In den nächsten sechs Wochen wird das Blatt 42 recto (rechte Seite) gezeigt, danach für sechs Wochen das Blatt 11 verso (linke Seite).

Machen Sie sich selbst ein Bild von der sehenswerten Originalhandschrift aus Pergament im
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

 

*Zum Thema „Articella-Handschriften“ sind bereits mehrere Blog-Beiträge erschienen:
https://www2.uni-erfurt.de/bibliothek/blog/die-articella-handschriften-der-amploniana-eine-mittelalterliche-lehrbuchsammlung/
https://www2.uni-erfurt.de/bibliothek/blog/die-articella-handschriften-der-amploniana-und-ihre-franzoesische-herkunft/
https://www2.uni-erfurt.de/bibliothek/blog/der-buchschmuck-in-den-articella-handschriften/
https://www2.uni-erfurt.de/bibliothek/blog/amplonius-ein-strategischer-buechersammler-ein-leben-lang/

 

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt

Amploniana-Handschrift im Stadtmuseum

Seit 2024 werden im Stadtmuseum Erfurt regelmäßig Codices der berühmten Bibliotheca Amploniana ausgestellt.
In der aktuell gezeigten, über 900 Jahre alten Handschrift, Dep. Erf., CA 4° 78 (Digitalisat in der Digitalen Historischen Bibliothek Erfurt/Gotha), ist in den nächsten sechs Wochen das Blatt 3 recto (rechte Seite) mit einem in satten Farben floral verzierten „M“ zu sehen.

Wofür das „M“ steht und warum man bei diesem Manuskript so verschwenderisch mit dem kostbaren Material Pergament (Tierhaut) umging, erfahren Sie, wenn Sie sich das Original ansehen im
„Haus zum Stockfisch“, Johannesstraße 169
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Dr. Katrin Ott, Leiterin des Bereichs Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Erfurt