Universität Erfurt

Ringvorlesung: Die Reformation und ihre (un-)beabsichtigten Folgen: Pressemitteilung Nr.: 49/2017 - 06.06.2017

Um die „Reformation aktuell: beabsichtigte und unbeabsichtigte Folgen“ geht es im nächsten Vortrag der gemeinsamen Ringvorlesung von Fachhochschule und Universität Erfurt am kommenden Dienstag, 13. Juni. Referentin ist Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte von der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Beginn ist um 18 Uhr im Rathausfestsaal, der Eintritt ist frei.

Luther machte sich für die Rückkehr zum theologischen Anliegen des Urchristentums stark – die Betonung des biblischen Wortes und die Ablehnung der Werkgerechtigtkeit. Stattdessen sollte die sogenannte sola-Theologie wiederbelebt werden  ̶  sola gratia (allein durch Gnade), sola fide (allein durch Glauben), sola scriptura (allein dem Wort folgend). Dieses Anliegen führte sehr rasch in nichtbeabsichtigte Weiterungen, nämlich die Infragestellung der Hierarchie der römisch-katholischen Kirche, des Papstamtes, des Wahrheitsanspruches der Konzilien und der besonderen Würde des Priesteramtes. Daraus entwickelte sich seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts eine neue protestantische Kirchenverfassung mit evangelischem Pfarrhaus, Laiendominanz in der Gemeinde (Wahl des Pfarrers) und der Dominanz des Wortes sowie des Liedes in der Kirche statt der Heiligenverehrung uvm. Vorrang gewann die Bildung aller Gemeindeglieder  ̶  auch der Frauen und Mädchen. Die daraus nachzuvollziehenden weiteren Folgen in Europa und außerhalb von Europa waren allesamt nicht beabsichtigt, allen voran die Teilung der Einheit der Christenheit, Ursprung der Unabhängigkeitserklärung der englischen Kolonien in Nordamerika (1776), Berufung auf das Evangelium als Grundlage der Menschenrechtsdebatte seit dem 19. Jahrhundert (Gewissensbegriff), Affinität der Volkssprachen zur protestantischen Konfession (Ablehnung des Kirchenlatein) und damit Stärkung der nationalen Identität im 19. Jahrhundert u.a. in den baltischen Regionen, in Böhmen, Skandinavien  ̶  um nur einige Folgen zu benennen.

In der  nächsten Veranstaltung am 20. Juni spricht dann Prof. Dr. Susanne Rau von der Universität  Erfurt über „Reformation: Ereignis – Erinnerung – Gegenwart“.

Weitere Informationen zur Ringvorlesung finden Sie unter www.uni-erfurt.de/ringvorlesungen.

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