﻿{"id":7800,"date":"2025-06-19T14:34:56","date_gmt":"2025-06-19T12:34:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/?p=7800"},"modified":"2025-06-23T16:49:08","modified_gmt":"2025-06-23T14:49:08","slug":"wir-machen-blau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wir-machen-blau\/","title":{"rendered":"Wir machen blau!"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Redewendung \u201e<span style=\"color: #3366ff;\">blaumachen<\/span>\u201c d\u00fcrfte jedermann vertraut sein. Sie wird benutzt, wenn die Schule geschw\u00e4nzt wird oder man unentschuldigt dem Arbeitsplatz fernbleibt.<br \/>\nIhren Ursprung hat die Redewendung im Mittelalter und hat mit einer gerade in Th\u00fcringen und besonders auch in Erfurt bekannten Pflanze, dem Waid (auch F\u00e4rber-Waid <em>Isatis Tinctoria)<\/em> zu tun.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/waid1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-7802 size-full\" src=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/waid1.jpg\" alt=\"Foto: Dr. Katrin Ott\" width=\"800\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/waid1.jpg 800w, https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/waid1-768x221.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Angebaut wurde Waid im Erfurter Umland. Die Bl\u00e4tter wurden nach der Ernte in speziellen Waidm\u00fchlen zu einem Brei zerquetscht. Auf Haufen gekippt g\u00e4rte das Gemisch etwa zwei Wochen lang, anschlie\u00dfend wurden daraus Kugeln geformt und getrocknet. Die Waidkugeln wurden von den F\u00e4rbern gekauft, welche sie im F\u00e4rbebad, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%BCpenf%C3%A4rberei\">K\u00fcpe<\/a>, mit abgestandenem Urin begossen und bei sch\u00f6nem und hei\u00dfem Wetter vor sich hin g\u00e4ren lie\u00dfen.<br \/>\nWenn dieses F\u00e4rbebad nach einigen Tagen eine gelblich-gr\u00fcne Farbe mit strengem Geruch annahm, wurden die Stoffe hineingelegt und f\u00e4rbten sich ebenfalls gelb. Erst beim Herausnehmen und Trocknen an der Luft wurden sie blau.<br \/>\nAu\u00dfer dem Aufh\u00e4ngen der Stoffe hatten die F\u00e4rber an diesem Tag, meist einem Montag, nicht viel zu tun \u2013 sie machten blau. Einer anderen Erkl\u00e4rung nach beschleunigten die F\u00e4rber den F\u00e4rbeprozess durch Zugabe von durch <span style=\"color: #000000;\">Biergenuss<\/span> \u201eoptimierten\u201c Urin, waren also selber \u201eblau\u201c.<br \/>\nDer Abbau von Waid und dessen weitere Verarbeitung bis hin zum F\u00e4rben von Leinen brachte den St\u00e4dten mit Waidanbau und -handel im Mittelalter Arbeitspl\u00e4tze und Wohlstand, den erst die billigere Nutzung der Indigopflanze stoppte. Die Indigopflanze (<em>Indigofera tinctoria<\/em>) wurde ab dem fr\u00fchen 17. Jahrhundert importiert und war wesentlich ergiebiger, bis auch sie durch die noch preiswertere industrielle synthetische Farbstoffgewinnung abgel\u00f6st wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kniphof_waid_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7804 aligncenter\" src=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kniphof_waid_klein.jpg\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"276\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Bl\u00fcte des Waids sehen wir hier auf in einem Druck aus unserem Altbestand: in \u201eJohannis Hieronymi Kniphofs, \u2026 Botanica In Originali Pharmacevtica Das ist: Lebendig-Officinal-Kr\u00e4uter-Buch \u2026\u201c aus dem Jahr 1733 (<a href=\"https:\/\/opac.uni-erfurt.de\/DB=1\/XMLPRS=N\/PPN?PPN=41370159X\">UB Erfurt, Dep. Erf., 13-Ma. 4\u00b0 24b (1)<\/a>, Tafel 72).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kniphof_waidpflanze.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-7803 alignright\" src=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kniphof_waidpflanze.jpg\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"453\" \/><\/a><\/p>\n<p>Johann Hieronymus Kniphof druckte diesen Band in der Druckerei \u00a0von Johann Michael Funcke. Das Besondere war die die Verwendung des<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Naturselbstdruck\"> Naturselbstdrucks<\/a>, bei dem die Pflanze selbst pr\u00e4pariert und dann als Druckform genutzt wurde. Diese Formen erlaubten nur wenige Druckg\u00e4nge; \u00fcber die genaue Vorbereitung der Formen und den Druckvorgang damit gibt es keine Notizen von Kniphof und Funcke, dies blieb ihr Geheimnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Andrea\u00a0 Langner<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Foto der Waidpflanze: Dr. Katrin Ott<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Redewendung \u201eblaumachen\u201c d\u00fcrfte jedermann vertraut sein. Sie wird benutzt, wenn die Schule geschw\u00e4nzt wird oder man unentschuldigt dem Arbeitsplatz fernbleibt. Ihren Ursprung hat die Redewendung im Mittelalter und hat mit einer gerade in Th\u00fcringen und besonders auch in <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wir-machen-blau\/\">weiterlesen  <span class=\"screen-reader-text\">  Wir machen blau!<\/span><span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[101,97],"tags":[177,473],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7800"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7800"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7819,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7800\/revisions\/7819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}