﻿{"id":5529,"date":"2022-01-13T11:24:00","date_gmt":"2022-01-13T10:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/?p=5529"},"modified":"2022-01-13T11:24:00","modified_gmt":"2022-01-13T10:24:00","slug":"die-articella-handschriften-der-amploniana-und-ihre-franzoesische-herkunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/die-articella-handschriften-der-amploniana-und-ihre-franzoesische-herkunft\/","title":{"rendered":"Die Articella-Handschriften der Amploniana und ihre \u2018franz\u00f6sische\u2018 Herkunft"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im letzten <a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/die-articella-handschriften-der-amploniana-eine-mittelalterliche-lehrbuchsammlung\/\">Blogbeitrag vom 17.11.2021<\/a> habe ich das Konvolut der Articella-Handschriften vorgestellt. Heute m\u00f6chte ich daran ankn\u00fcpfen und zeigen, welche R\u00fcckschl\u00fcsse und Interpretationsm\u00f6glichkeiten sich aus dem Konvolut f\u00fcr die Sammlungsgeschichte der Amploniana ziehen lassen.<br \/>\nEs ist sehr bemerkenswert, dass sieben der neun Articella-Kodizes der Sammlung aus dem s\u00fcdfranz\u00f6sischen Raum stammen und nur je ein Exemplar aus Italien bzw. Paris. Das ist umso erstaunlicher, da in jener Zeit des 13. Jahrhunderts mit Salerno, Bologna und Padua vor allem italienische St\u00e4dte in der medizinischen Lehre f\u00fchrend waren und die medizinische Fakult\u00e4t in Bologna ihren Lehrplan sogar an der Articella ausgerichtet hatte. Im franz\u00f6sischen Raum stach wiederum nur das im S\u00fcden gelegene Montpellier mit seiner 1220 gegr\u00fcndeten medizinischen Schule hervor, die 1289 in eine Universit\u00e4t umgewandelt wurde.<br \/>\nDoch wie kam es dazu, dass vor allem Articella-Handschriften aus Montpellier ihren Weg in die Amploniana fanden? Hierf\u00fcr ist die Erforschung der Objektgeschichte hilfreich, mit der sich das aktuelle<a href=\"https:\/\/www.uni-erfurt.de\/forschung\/forschen\/forschungsprojekte\/digitalisierung-und-tiefenerschliessung-von-handschriften-der-bibliotheca-amploniana\"> DFG-Projekt<\/a> befasst. So lassen sich in den meisten dieser Handschriften Spuren finden, die eine Zwischenstation in Paris nahelegen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5531\" aria-describedby=\"caption-attachment-5531\" style=\"width: 1066px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-5531\" src=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_1.jpg\" alt=\"\" width=\"1066\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_1.jpg 826w, https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_1-768x126.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1066px) 100vw, 1066px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5531\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: CA 2\u00b0 285 fol. Vorblatt IV r: Magister Johannes Chareton est un bon homme<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das reicht von der Nennung eines ausschlie\u00dflich in Paris und Umgebung belegten Professors im Einband [Abb. 1] \u00fcber einen Preisvermerk mit einer ausschlie\u00dflich in Nordfrankreich gebr\u00e4uchlichen W\u00e4hrung [Abb. 2] bis hin zu einer Kommentarhand, die sich einem gewissen Henricus Maltmyngher de Berka zuordnen l\u00e4sst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5532\" aria-describedby=\"caption-attachment-5532\" style=\"width: 880px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-5532\" src=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_2.jpg\" alt=\"\" width=\"880\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_2.jpg 1279w, https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Abb_2-768x202.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5532\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: CA 2\u00b0 264 fol. 237v: Radierter Preisvermerk, mit Quarzlampe zu erkennen: Libras Parisiensis, was auf den Livre Parisis als nordfranz\u00f6sische Rechnungsm\u00fcnze verweist, vgl. Kroha, Gro\u00dfes Lexikon der Numismatik, s.v. Livre.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und genau dieser Henricus k\u00f6nnte auch der Schl\u00fcssel f\u00fcr dieses Herkunftsr\u00e4tsel sein: Er war zun\u00e4chst als Schreiber f\u00fcr Amplonius t\u00e4tig, nahm schlie\u00dflich 1394 unter dem Rektorat des Amplonius in Erfurt sein Studium auf und f\u00fchrte dies unter dessen Rektorat in K\u00f6ln weiter fort. Im Jahr 1401 wechselte Henricus dann f\u00fcr einige Jahre an die Universit\u00e4t Paris und war dort unter anderem Prokurator f\u00fcr die englisch-deutsche Nation. Da er in der Handschrift CA 4\u00b0 319 das Haus als Amplonius als seine Arche, seinen geborgenen R\u00fcckzugsort, bezeichnet und auch einige B\u00fccher der Amploniana nachweislich aus dem Vorbesitz des Henricus stammen, scheint er \u00fcber die Jahre ein sehr enges Verh\u00e4ltnis zu seinem F\u00f6rderer Amplonius gepflegt zu haben. Es w\u00e4re daher durchaus denkbar, dass eben jener Henricus f\u00fcr Amplonius und seine beabsichtigte Stiftung die Anwesenheit in Paris nutzte, hochwertige Articella-Handschriften als kleine Lehrbuchsammlung f\u00fcr Amplonius anzukaufen. M\u00f6glich w\u00e4re auch, dass Amplonius nach dem fr\u00fchen Tod des Henricus dessen Bibliothek \u00fcbernahm und dort eben aus der Pariser Zeit neben einigen anderen Kodizes auch diese Articella-B\u00e4nde \u00fcbernahm.<br \/>\nBliebe abschlie\u00dfend noch zu kl\u00e4ren, weshalb so viele Handschriften von Montpellier nach Paris kamen: In der zweiten H\u00e4lfte des 14. Jahrhunderts wurde Montpellier immer wieder von verheerenden Seuchen heimgesucht, sodass sich die Bev\u00f6lkerungszahl in dieser Zeit um ein Drittel reduzierte. Diese wiederkehrenden Epidemien sorgten f\u00fcr einen Abwanderung fachkundiger Personen nach Paris, die auf diesem Wege auch zahlreiche medizinische Schriften mit nach Paris nahmen und so auch f\u00fcr Amplonius und sein Umfeld zug\u00e4nglich machten.<\/p>\n<p><strong>Autor: Sven-Philipp Brandt<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im letzten Blogbeitrag vom 17.11.2021 habe ich das Konvolut der Articella-Handschriften vorgestellt. Heute m\u00f6chte ich daran ankn\u00fcpfen und zeigen, welche R\u00fcckschl\u00fcsse und Interpretationsm\u00f6glichkeiten sich aus dem Konvolut f\u00fcr die Sammlungsgeschichte der Amploniana ziehen lassen. Es ist sehr bemerkenswert, dass <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/die-articella-handschriften-der-amploniana-und-ihre-franzoesische-herkunft\/\">weiterlesen  <span class=\"screen-reader-text\">  Die Articella-Handschriften der Amploniana und ihre \u2018franz\u00f6sische\u2018 Herkunft<\/span><span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[101],"tags":[385,135],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5529"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5529"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5529\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5536,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5529\/revisions\/5536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www2.uni-erfurt.de\/bibliothek\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}