Katholisch-Theologische Fakultät


Lehrstuhl für Exegese und Theologie des Alten Testaments

Prof. Dr. Norbert Clemens Baumgart

Universität Erfurt

 

 

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aus: Erfurter Bibel; Signatur: Ms. or. fol. 1212; Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz, Orientabteilung

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachprofil

 

„Sie werden lachen, die Bibel.“

 

Von Bertolt Brecht ist diese Äußerung überliefert. Sie soll im Jahre 1928 seine Antwort auf die Frage gewesen sein, welches sein Lieblingsbuch sei. Die Bibel hat viele beeindruckt, und sie vermag immer noch zu faszinieren. Das ist auch bei Leserinnen und Lesern der Fall, die sich selbst nicht näher den religiösen jüdisch-christlichen Traditionen zuordnen.

 

Doch zugleich ist die Bibel heutzutage etlichen unbekannt. So bei einer Mehrheit in den ostdeutschen Bundesländern. Hier hat mancher die Bibel noch niemals in der Hand gehabt, geschweige denn in ihr gelesen. Wenn man in diesem Horizont die Bibel ins Gespräch bringen will, wie hat dann ihre kompetente Erschließung auszusehen? Die Frage beschreibt eine Aufgabe für das Fach Exegese und Theologie des Alten Testamentes in Erfurt – also für das Fach, das sich mit der Auslegung und Durchdringung des ersten Teiles der Bibel beschäftigt.

 

Alttestamentliche Wissenschaften beschreiten unterschiedliche Zugänge zu den biblischen Texten. Sie gehen literaturwissenschaftlich und historisch vor. Sie durchschreiten die Weite von Jahrhunderten, in denen die biblischen Texte in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch abgefasst worden sind. Sie erheben die darin enthaltene Theologie und die mit der Gottesrede verbundenen Auffassungen vom Menschen und von dessen Lebensbezügen.

 

Das Alte Testament ist in der Form des „Tanak“, d.h. der hebräischen Bibel, Heilige Schrift der jüdischen Religion. Zugleich bildet es zusammen mit dem Neuen Testament die eine, zweigeteilte Heilige Schrift des Christentums. Das Alte Testament will zweifach gelesen werden. Einerseits will es allein genommen und für sich ausgelegt werden. Andererseits ist das Alte Testament mit dem Neuen Testament zusammen in den Blick zu nehmen und unter dieser Perspektive auszulegen. Das Alte Testament eröffnet ein Erzählen, ohne das man das Neue Testament nicht verstehen kann. Nach christlichem Verständnis setzt das Neue Testament dieses Erzählen fort und bringt es zu einer Art Abschluss.

 

Den einzelnen Büchern des Alten Testamentes folgt oft eine breite Auslegungsgeschichte und Wirkungsgeschichte. Beide können Horizonte, bisweilen sogar Hilfestellungen für die Interpretation anbieten.

 

Alttestamentliche Wissenschaften sind eine stets neu herausgeforderte Disziplin, sei es durch die Fragen der Neuzeit oder die der Gegenwart. Wie hat man sich die Entstehung der alttestamentlichen Schriften vorzustellen? Worauf zielen ihre Weltbilder ab, die sich von gegenwärtigen, an den Naturwissenschaften orientierten Weltbildern unterscheiden? Befördert ein Denken, das von dem einen und einzigen biblischen Gott (Stichwort „Monotheismus“) ausgeht, Gewalt und Intoleranz? Oder kann solch ein Denken Freiheiten eröffnen und dem sozialen sowie politischen Austausch in Frieden dienen? Wie lesen Frauen, wie lesen Männer die Bibel? Wie verstehen Minderheiten oder Arme die Bibel? Wie wird sie von so genannten Mehrheiten vernommen?

 

Nicht zuletzt ereignet sich die Auslegung des Altes Testament im Echoraum gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen sowie der ökumenischen Bewegungen und interreligiösen Dialoge.

 

Derzeit liegt der Fokus des Faches in Erfurt auf den Forschungsschwerpunkten: die biblische Urgeschichte, intertextuelle Zusammenhänge im Buch Genesis und im Pentateuch, das Buch Richter und die Bücher der Könige.