Universität Erfurt - Philosophische Fakultät - Sprachwissenschaft - Lehre/Studium - Allgemeines - Sprachen
In einer Sprache kommunizieren zu können ist eine praktische Fertigkeit, vergleichbar dem Schwimmen, Radfahren oder Klavierspielen. Es gehört zur biologischen Ausstattung des Menschen, solche Fertigkeiten lernen zu können. Dies geht desto leichter vonstatten, je früher im Leben man es tut. Die Voraussetzungen, solche Fertigkeiten zu erwerben, schwinden bei allen Menschen im Laufe des Lebens, bei den einen früher oder radikaler als bei den anderen. Der fühlbarste Einschnitt ist am Ende der Pubertät.
Über die oder eine Sprache zu reflektieren oder gar Wissenschaft zu treiben, ist eine theoretische Tätigkeit, vergleichbar der Neurologie oder Musikwissenschaft. Sie setzt eine vergleichsweise seltene Sonderbegabung und natürlich auch eine entsprechende Ausbildung voraus. Die Fähigkeit dazu läßt sich verbessern, solange die Intelligenz erhalten bleibt, also normalerweise noch lange nach der Pubertät.
Die beiden Arten von Begabung sind weitgehend voneinander unabhängig. Es kann also jemand ein guter Linguist sein, ohne ein guter Sprachenkenner (besser: -könner) zu sein, und umgekehrt. Allerdings hat die Sprachwissenschaft drei methodische Zugänge zu ihrem Objekt, einen (theoretisch-)deduktiven, einen (empirisch-)induktiven und einen (verstehend-)hermeneutischen. Der dritte Zugang funktioniert nur für das, wozu man selbst auch imstande ist. Das ist der wesentliche wissenschaftstheoretische Grund, warum ein Linguist auch Sprachen können sollte. Daneben gibt es den praktischen Grund, daß die empirische Arbeit über Sprachen stark erleichtert wird, wenn man sie selbst beherrscht.
Deshalb gilt für angehende Linguisten die schlichte Maxime: lerne so viele Sprachen wie möglich, und zwar so früh wie möglich. Die Prüfungsordnung Sprachwissenschaft verlangt zwei, in einigen Schwerpunkten drei Fremdsprachen. Darunter sollte auch mindestens eine sein, die von der Muttersprache radikal verschieden ist, d.h. für Sprecher des Deutschen, eine nicht-indogermanische Sprache.