Die Staatlich-städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule Erfurt wurde 1898
gegründet. Nachdem sie schon bald "aus allen Nähten"platzte, weil der Bedarf junger Leute an einer guten fachlichen Ausbildung mit Zertifikat außerordentlich groß war, hat die Stadt einen Neubau beschlossen.
Am 18. Mai 1904, nach nur 1 ¼ jähriger Bauzeit, konnte das stattliche Gebäude, am Gerafluss gelegen und noch im Zeichen des Jugendstils gestaltet, seiner Bestimmung übergeben werden.
Der Erfurter Baurat und Architekt, Paul Peters, arbeitete an diesem Projekt gemeinsam mit dem Architekten Max Brockert, der die Bauleitung übernommen hatte und dem Stadt-Gartendirektor, Otto Linne, der für die Außenanlage verantwortlich war, eng zusammen.
Bautypen dieser Art hatten noch keine lange Tradition, und so hat Peters ein stattliches, funktional durchdachtes, ästhetisch gestaltetes und harmonisch in das städtische Umfeld eingepasstes Schulgebäude erbaut.
Peters baute nach Prinzipien der Zweckmäßigkeit, d.h. er berücksichtigte vorranging Räume für Werkstätten und Ateliers, in zweiter Linie "Lehrkabinette" (Seminarräume bzw. Hörsaal) und Bibliothek, Lehrer- und Verwaltungsräume. Diese Bedeutungsfolge bewährte sich auch für die später hier lehrende Fachschule für angewandte Kunst (1946 - 1955 ) und die Kunsterzieherausbildung der Pädagogischen Hochschule Erfurt, die von 1955 bis 2000 hier erfolgte und seit 2001 der Universität Erfurt zugehörig ist.
1997 hat das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt in einigen Räumen des Instituts für Kunst sowie in dem ehemaligen Hausmeistergebäude und im Gartenhaus mit seinen Kollegiaten und Fellows Einzug gehalten.
Die Kunsterzieher-Ausbildung erfolgte anfangs als Einfachstudium in einer Einjahresausbildung (etwa bis 1969) am Pädagogischen Institut in Erfurt, wozu der "Hügel" gehörte. Die Zweifachausbildung in den Kombinationsmöglichkeiten mit den Fächern Deutsch, Russisch und Mathematik, wobei Kunst jeweils als Erst- oder Zweitfach studiert werden konnte, gab es in den 60er Jahren. Mit dem Staatsexamen wurde das dreijährige Studium abgeschlossen.
1970 wurde das "Pädagogische Institut Erfurt" durch neue Ausbildungsstrukturen zur "Pädagogischen Hochschule" ernannt und erhielt Promotions- und Habilitationsrecht. Das Lehrerstudium wurde nach einem vierjährigen Studium mit dem Diplom ( wissenschaftl. Diplomarbeit) abgeschlossen.
Das Lehrerstudium war ein Einphasenmodell mit schulpraktischen Anteilen, wie z.B. einem einsemestrigen Schulpraktikum in beiden Fächern, das an 10klassigen Polytechnischen Oberschulen im damaligen Bezirk Erfurt absolviert werden konnte. Die Student/innen wurden an den Schulen durch die Fachdidaktiker/innen der PH Erfurt sowie durch die Fachlehrer/innen für Kunsterziehung betreut und bis zur Prüfung begleitet. Studierende für das Fach Kunsterziehung erhielten eine Fach- und Fachdidaktikausbildung, die ihnen das Unterrichten in den Klassen 1 bis 12 erlaubte. Später konnte man in einem Zusatzstudium die Unterrichtsqualifikation für die Erweiterte Oberschule, Klasse 10-12 ( Oberstufen des heutigen Gymnasiums), an einer Universität ( z.B. Leipzig ) erwerben.
1988 wurden an der PH Erfurt die ersten Studierenden für eine fünfjährige einphasige Lehrerausbildung, auch für das Fach Kunsterziehung, immatrikuliert. Hier waren eine hohe fachliche Ausbildung mit einem einjährigen Schulpraktikum angedacht, das von den Fachdidaktikern der Hochschule gemeinsam mit den Fachlehrer/innen an den Schulen betreut werden sollte.
Mit der Wende 1989/90 ist das Fach Kunsterziehung an der PH Erfurt im Lehrgebäude III, Am Hügel 1, der ehemaligen Staatlich-städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule, verblieben. Die Fächerkombinationen wurden erweitert. Es konnten die Lehrämter Grund- und Regelschule für das Fach Kunsterziehung als Haupt- oder Nebenstudienrichtung studiert werden.
Seit WS 2003/2004 ist die lehramstbezogene Ausbildung Kunst in das konsekutive Ausbildungsmodell BA-MA-Ausbildung für Grund- und Regelschule integriert. Die ersten 26 Bachelor-Student/innen für Kunst, die das Fach in der Haupt- oder Nebenstudienrichtung studieren, beginnen gerade das 2. Semester in der Orientierungsphase.
Letzte Änderung: 11.05.2004
Verantwortlich für den Inhalt:
Prof. Dr. Heidrun Richter