| Anzeige des Forschungsprojektes: Religion an der Grenze. Römische Provinzialreligion am Neckar- und obergermanischen Limes |
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| Projektleitung: | Leif Scheuermann |
| Projekttitel: | Religion an der Grenze. Römische Provinzialreligion am Neckar- und obergermanischen Limes |
| Projekttitel(englisch): | |
| Kurzbeschreibung des Projektes: | Als die Römer in den neunziger Jahren des ersten Jahrhunderts die Grenze ihres Reiches vom Rhein an den Neckar verlagerten, annektierten sie ein weitgehend menschenleeres Gebiet. Im Gegensatz zu anderen Regionen, wie dem Rheinland oder der Schweiz, war eine Nutzung bereits bestehender „indigener“ Strukturen nicht möglich. Die gesamte Infrastruktur musste durch das römische Heer und die mit ihm in die Region eingewanderten Zivilisten neu aufgebaut werden, so dass hier eine neue genuin provinzialrömische Gesellschaft entstand. Auf Grund dieser Ausnahmesituation bietet sich in der Region ein einzigartiger Einblick in die Funktionsweisen des römischen Imperiums in der Zeit von 90-230 n. Chr. Eine besondere Rolle kommt hierbei der Religion zu, da diese – als Spiegelbild der Gesellschaft – öffentliche wie private Aspekte des Lebens in der Provinz reflektiert. Das Promotionsprojekt widmet sich aus diesem Grund der Religion zwischen Neckar- und obergermanischem Limes. Auf einer reichen archäologischen und epigraphischen Datengrundlage wird nach dem „Wo“ – den Kultstätten – dem „Wer“ – den religiösen Protagonisten – und dem „Wen“ – also den verehrten Gottheiten – gefragt, um in einem letzten Schritt ein Gesamtbild der religiösen Verehrung in der Region zuentwerfen. Der erste Schritt war die Sammlung und möglichst exakte Lokalisierung aller religiösen Zeugnisse. Es ergab sich eine Sammlung von 96 Fundorten, die im Folgenden durch weitere Recherchen in den lokalen und regionalen Museen und Archiven sowie die Autopsie der Fundstellen durch Feldbegehungen vertieft untersucht wurden. Eine dem Thema geschuldete Fokussierung der Untersuchung lag hierbei auf den epigraphischen Zeugnissen. Insgesamt wurden ca. 500 Inschriften und Bildwerke in einer Datenbank aufgenommen und, soweit diese noch erhalten waren, persönlich untersucht. Nach der Aufnahme der Einzelobjekte erfolgte eine Analyse der Fundorte im Hinblick auf einen Nachweis von Heiligtümern. Insgesamt konnten 20 Heiligtümer identifiziert und beschrieben werden, was bei 20 weiteren in der Literatur als Kultplätze beschriebenen Fundstellen nicht gelang. Neben der reinen Identifikation und Beschreibung der Kultplätze wurden diese an Hand ihrer Bauformen, aber auch ihrer Bedeutung in Kategorien eingeteilt. Es wurde zwischen militärischen und zivilen sowie zentralen wie lokalen bzw. privaten Heiligtümern unterschieden, wobei die orientalischen Heiligtümer auf Grund ihrer Sonderstellung separat abgehandelt wurden. Hierbei stellte sich heraus, dass, in einer Region ohne bereits existierende religiöse Strukturen, Individuen die Sakraltopographie prägten, wohingegen ein übergeordnetes Prinzip, sei es von staatlicher Seite oder großen Trägergruppen, wie organisierten Priesterschaften, nicht zu erkennen ist. Bei der Untersuchung der zweiten Fragestellung – den Dedikanten der Inschriften – zeigte sich, dass eine überwiegende Mehrheit der Weihenden Männer mit gallo-germanischer Herkunft ohne sicher nachzuweisendes Bürgerrecht waren, aber mit entsprechendem ökonomischen Hintergrund, um sich das Setzen einer Steininschrift leisten zu können. Nach Abschluss von zwei Dritteln der Arbeit kann also als Zwischenfazit bereits konstatiert werden, dass der römische Staat kein besonderes Interesse daran gehabt zu haben scheint, überregionale Strukturen zu etablieren. Erst in den letzten Dekaden der Okkupationszeit entstanden zentrale Heiligtümer in den Civitas Hauptorten. Auch finden sich bis auf eine Ausnahme keine Weihungen durch den Statthalter oder die lokale Administration. Statt dessen mussten sich die römischen Siedler selbst um die Errichtung und Erhaltung ihrer Kultplätze kümmern, die aus diesem Grund meist klein und individuell gestaltet sind. Die Träger dieser Entwicklung waren weder das Militär, noch die lokalen Eliten, sondern vielmehr die einfachen Peregrinen mit gallogermanischer Herkunft. Es zeigte sich also eine erzwungene Individuierung der einzelnen Siedler, die nicht in einem Willen zur Entfaltung, sondern vielmehr im Desinteresse des Staates begründet ist. |
| Kurzbeschreibung des Projektes(englisch): | |
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| Fakultät: | Max-Weber-Kolleg |
| Fach: | Max-Weber-Professur und Fellows |
| Professur: | Max-Weber-Professur und Fellows |
| Projektmitarbeiter/ |
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| Kooperationspartner: | |
| Projektbeginn: | 04/2009 |
| Projektende: | 00/00 |
| Projekttyp: | Dissertationsprojekt |
| Titel des Oberprogramms: | |
| Förderinstitutionen: | Stipendium der Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer |
| Projektstellen: | |
| Personalmittel: | 0,00 € |
| Sachmittel: | 0,00 € |
| Fördersumme: | 0,00 € |